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Lexikon der Biologie |
Akutphasenreaktion, Änderung in der Syntheserate bestimmter, nicht mit den Immunglobulinen verwandter Substanzen (Akutphasensubstanzen, Akutphasenproteine) während einer Entzündung (z. B. C-reaktives Protein, Serum-Amyloid-A-Komponente, α1-Antitrypsin [Antielastase], Haptoglobin, α2-Glykoproteid, Coeruloplasmin und die meisten der Komplement-Komponenten). Die Akutphasenreaktion wird durch die Interleukine Il-1, Il-6 und den Tumor-Nekrosis-Faktor (TNF) hervorgerufen und schützt den Organismus gegen eindringende Mikroorganismen, indem die Konzentration an Proteinen der unspezifischen Abwehrmechanismen erhöht wird. – Die Akutphasenreaktion ist mit Fieber verbunden und wird durch Infektionen, immunologische Reaktionen, Traumata und entzündliche Prozesse bewirkt. Sie wird im Gegensatz zum septischen Schock durch körpereigene Substanzen ausgelöst. Bei den beteiligten Mediatorsubstanzen (Il-1, Il-6 und TNF) sind additive, kooperative und antagonistische Effekte zu beobachten. Für sich alleine produzieren diese Faktoren jeweils ein eigenes Spektrum von Veränderungen. So werden z. B. einige der durch die beiden Interleukine (Il-1 und Il-6) ausgelösten Effekte durch TNFβ inhibiert. Sowohl die Dosis der Cytokine als auch die zeitliche Reihenfolge ihres Auftretens bestimmen die Art der Reaktion einer Zelle. Die Akutphasenreaktion wird durch Glucocorticoide reguliert. Bei den Akutphasenproteinen (APP), die sich während einer Akutphasenreaktion in ihrer Konzentration verändern, unterscheidet man positive und negative Akutphasenproteine, die entweder vermehrt oder vermindert auftreten. Die kontrollierte Regulation der Gene, die für die Akutphasenproteine codieren, beruht auf den CREs (Abk. für cytokine responsive elements), regulatorischen Sequenzen in der Kontrollregion vieler Akutphasenprotein-Gene, die durch Transkriptionsfaktoren spezifisch erkannt werden. Die Akutphasenproteine greifen regulierend in die Akutphasenreaktion ein, wirken als Mediatoren und Inhibitoren einer Entzündung und bewirken dabei ihre lokale Begrenzung auf den Entzündungsherd sowie den Abtransport der Produkte der Reaktion und fördern die Wiederherstellung des geschädigten Gewebes. Hauptproduktionsort der Akutphasenproteine ist die Leber. Da sich die Akutphasenreaktionen bei verschiedenen Krankheiten unterscheiden, kann die Serumkonzentration einzelner Akutphasenproteine für die Unterscheidung entzündlicher Erkrankungen herangezogen werden. Bei Funktionsstörungen, die nicht mit einer entzündlichen Reaktion verbunden sind, tritt keine Erhöhung der Akutphasenprotein-Konzentration auf. Durch die gleichzeitige Wirkung der Mediatoren der Akutphasenreaktion auf Lymphocyten, Makrophagen, neutrophile Granulocyten, Fibroblasten und andere bei einer Immunantwort beteiligte Zellen werden die Effektormechanismen während dieser Antwort koordiniert.
U.T.
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