Artikel Lexikon der Biologie

Attraktivität w [von latein. attractivus = anziehend; Adj. attraktiv], beim Menschen körperliche und/oder geistige Ausstrahlung, die unter anderem bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle spielt. Männer finden Frauen körperlich attraktiv, wenn sie einem sog. "Sexy-Schema" entsprechen, welches neben dem generellen weiblichen Körperschema mit breiten Hüften (Hüftbetonung) und schmaler Taille bestimmte Merkmale des Gesichtes (facial attractiveness) beinhaltet (symmetrische Form, kleine Nase und Kinn, große Augen und Lippen, schmale Wangen mit betonten Wangenknochen). Es finden sich nur wenige Bestandteile des oft zitierten Kindchenschemas wieder; wichtige Bestandteile, wie die Pausbäckigkeit und hohe Stirn, fehlen, so daß man beim "Sexy-Schema" von einem eigenständigen auslösenden Schema ausgehen muß. Die Soziobiologie vermutet als ultimate Ursachen für das Schönheitsideal: Anzeige von Jugendlichkeit und damit von Fruchtbarkeit, Gesundheit und Mischerbigkeit als Hinweis auf die bei Heterozygoten höhere Parasitenresistenz. Frauen bevorzugen neben der generellen Mannschablone mit breiten Schultern und schmaler Taille und kleinem Po (sog. V-Form) männliche Gesichter mit breitem Kinn, als Ausdruck sozialer Dominanz, hervortretende Backenknochen, große Augen und schmale Lippen. Bei beiden Geschlechtern ist keine Bevorzugung eines übernormalen Auslösers zu finden. So werden etwa zu große weibliche Brüste von Männern und zu große männliche Brustkästen von Frauen überwiegend abgelehnt. Auch das westliche Schlankheitsideal scheint nur ein historisch temporäres und kulturell begrenztes Phänomen zu sein. Attraktivität spielt außer bei der Partnerwahl auch als allgemein wirksames positives Stereotyp eine Rolle. Gut aussehende Menschen werden von Fremden meist als gut, freundlich, interessant, sozial, ausgeglichen, glücklich und erfolgreich eingestuft. Attraktive Menschen werden allgemein bevorzugt, und man verhält sich ihnen gegenüber altruistischer (Altruismus); so erhalten sie vor Gericht mildere Urteile, haben im Beruf bessere Aufstiegschancen, werden als Schüler(-innen) weniger diszipliniert und sind in der Partnerbeziehung dominanter.

J.Be.

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  Zoologie, Verhaltensforschung

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