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Lexikon der Geowissenschaften |
Aktualismus, Aktualitätsprinzip, wichtigste Grundlage zur Interpretation aller geologischen Geschehnisse. Die Theorie des Aktualismus geht von der stetigen Gültigkeit der physikalischen, chemischen und biologischen Gesetze aus und folgert, daß die geologischen Prozesse der Vergangenheit in vergleichbarer Weise wie heute abgelaufen sind. Als Begründer des Aktualismus gilt Ch. Lyell (1797-1875), der an die wegweisenden Arbeiten von J. Hutton (1788) und C.E.A. von Hoff (1822) anschloß und als erster die Beobachtung der heutigen geologischen Vorgänge als einzige Erfahrungsquelle für die Vergangenheit ansah. Die aktualistische Betrachtungsweise hat sich zwar für die Deutung vieler geologischer Erscheinungen, insbesondere durch die Erkenntnisse der Aktuogeologie, bewährt, aber für spezielle Bereiche gelten Einschränkungen. Einerseits laufen manche geologischen Prozesse wie Orogenesen oder Transgressionen für menschliche Begriffe so langsam ab, daß rezente Vergleiche schwierig sind. Andererseits unterlag der physische Werdegang und die biologische Entwicklung der Erde Einflüssen, die in der Gegenwart nicht zu beobachten sind. Dies betrifft beispielsweise extreme Klimabedingungen, die zur globalen Vereisung führten oder die Bildung von ausgedehnten Kohle- und Salzlagern ermöglichten. Unvollkommen sind ferner die Vorstellungen über die Entwicklungssprünge der Tier- und Pflanzenwelt in der Erdgeschichte, die möglicherweise Folgen von gewaltigen Meteoriteneinschlägen sind und für die eine Vergleichsbasis in der Gegenwart fehlt. Gleiches gilt für geologische Vorgänge des Präkambriums, als die Erdkruste noch sehr dünn und instabil war. Grundsätzlich hat jede geologische Forschung die Gültigkeit und Grenzen des Aktualistischen Prinzips von neuem zu prüfen. [HK]
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