Artikel Lexikon der Neurowissenschaft

Aggressionshemmung w [von latein. aggressio = Angriff], E aggression inhibition, Hemmung des Angriffsverhaltens eines Rivalen durch submissive Gesten, d.h. Signale, die meist die Unterwerfung des Angegriffenen anzeigen (Demutsgebärde, Beschwichtigung). Oft stammen die hemmenden Signale aus dem Bereich der Brutpflege oder der Balz oder symbolisieren das Gegenteil zu Drohgesten (Drohverhalten). Die Aggressionshemmung kann daran gebunden sein, daß der Angreifer den Angegriffenen als Gruppenmitglied akzeptiert; so bewirkt z.B. bei Löwen nur die Beschwichtigung eines Rudelmitglieds eine Aggressionshemmung, nicht die eines fremden Artgenossen. Die Aggressionshemmung wird auch als Tötungshemmung bezeichnet; sie kann durch optische, akustische oder olfaktorische Signale ausgelöst werden. In manchen Affengesellschaften (z.B. beim Bonobo) spielen sexuelle Verhaltensweisen eine wichtige antiaggressive und Konflikte lösende Rolle. Beim Menschen wird im Mitleid das subjektive Korrelat einer Tötungshemmung gesehen. Es wird vielfach diskutiert, ob der Mensch über eine Tötungshemmung verfügt, wobei mit abnehmender genetischer Distanz (eigene Familie, eigene Gruppe, fremde Menschen) erhebliche Unterschiede festzustellen sind. - In der Humanethologie gewinnen neben aggressionshemmenden vermehrt aggressionsvermindernde Bedingungen an Forschungsinteresse. Viele sind im Laufe der Evolution sozialer Zusammenschlüsse entstanden. Das Kindchenschema gehört ebenso dazu wie die geringere aggressionsauslösende Wirkung von Frauen auf Männer, die formale Anerkennung des Ranges, die Anwesenheit oder Intervention von Ranghohen oder beschwichtigende Interventionen Dritter (oft eine wichtige "Frauenrolle"), das Geben und Annehmen von Geschenken und Versöhnungsgesten, überhaupt das soziale Komfortverhalten vom "grooming" bis hin zu verbalen Freundlichkeiten. Als aggressionsvermindernd, also beschwichtigend, wurden auch das Grüßen, Verabschieden und das Schmollen als angedrohter Kontaktabbruch, um das Einlenken des Aggressors zu bewirken, erkannt. Elektrische Hirnreizungen, wie sie z.B. bei Katzen und Affen durchgeführt wurden, zeigen, daß bestimmte Bereiche des Hirnstamms in besonderem Maße an der Generierung solchen Verhaltens beteiligt sind. Grußverhalten.

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  Verhaltensforschung und Psychologie

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