Artikel Lexikon der Neurowissenschaft

Akkommodation w [von latein. accommodatio = Anpassung; Verb akkommodieren], E accommodation, 1) in der Neurophysiologie Bezeichnung für eine Erhöhung der Reizschwelle (Reiz) bei langsamer Depolarisation der Membran (Membranpotential). Bei langsamer Annäherung der Membrandepolarisation an den Schwellenwert, der zur Auslösung eines Aktionspotentials erreicht werden muß, können die beiden dynamischen Prozesse, die die regenerativen Membraneigenschaften bewirken (die Inaktivierung der Natriumkanäle und die Aktivierung der Kaliumkanäle), zum Tragen kommen, bevor der Schwellenwert erreicht wird. Die Zelle muß also stärker depolarisiert werden, um genügend Natriumkanäle zur Auslösung eines Aktionspotentials zu aktivieren. Diese Akkommodationsvorgänge treten z.B. an Nervenzellen des Zentralnervensystems auf, die durch summierte, langsam ansteigende synaptische Potentiale depolarisiert werden. Unter gewissen Umständen (z.B. Dauerreizung) kann bei sehr geringem Ansteigen des Reizes die Auslösung eines Aktionspotentials ganz ausbleiben. Man spricht bei diesem Phänomen von einem "Einschleichen des Reizes". 2) In der Sinnesphysiologie bezeichnet Akkommodation die Einstellung des Auges auf verschiedene Gegenstandsweiten ( siehe Abb. ). Dies wird durch eine aktive Brechkrafterhöhung des dioptrischen Apparats erreicht. Der Betrag, um den die Brechkraft maximal gesteigert werden kann (gemessen in Dioptrien, Abk. dpt), wird als Akkommodationsbreite bezeichnet. Die Steigerung der Brechkraft ist prinzipiell auf zwei verschiedenen Wegen möglich: 1) Der Abstand zwischen starrer Linse und Netzhaut (Retina) wird entweder verkleinert oder vergrößert; 2) der Krümmungsradius der elastischen Linse wird verändert. - Das menschliche Auge ist im akkommodationslosen Zustand auf die Ferne eingestellt und akkommodiert auf die Nähe durch Krümmungsänderung vor allem der vorderen Linsenfläche über eine Tonusänderung des parasympathisch innervierten Ciliarmuskels. Die Messung der Unschärfe erfolgt wahrscheinlich im fovealen Projektionsgebiet des visuellen Cortex. Der Ursprung der zum Ciliarganglion ziehenden präganglionären Axone wird von Zellen des Edinger-Westphal-Kerns gebildet. Donders, Pupillenreaktion. 3) Assimilation.



Akkommodation

Akkommodationsformen bei Wirbeltieren:

1 Mensch, 2 Eidechse, 3 Schlange, 4 Frosch, 5 Knochenfisch, 6 Neunauge.

Die obere Augenhälfte (oberhalb der gestrichelten Linie) zeigt jeweils den akkommodierten, die untere Hälfte den akkommodationslosen Zustand.

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  Sinnesphysiologie, Zell- und Molekularbiologie

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