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Lexikon der Psychologie |
Motiv, in der motivationspsychologischen Literatur unterschiedlich definierter Begriff. Der heute gängigste Definitionsansatz stammt aus dem biologisch ausgerichteten Motivationsmodell von McClelland (1985), in dem die affektive Grundlage motivationaler Prozesse betont wird. Nach McClelland ist die Grundlage motivierten Handelns das Streben nach positiven Gefühlen, die sich einstellen, sobald man Zugang zu ”natürlichen Anreizen” (natural incentives) hat. Die Verknüpfung zwischen einem natürlichen Anreiz und der durch ihn ausgelösten spezifischen Emotion wird dabei als angeboren betrachtet. Was einen derartigen natürlichen Anreiz darstellt, läßt sich nur evolutionsgeschichtlich bestimmen. Es sind letztlich jene Situationen und Handlungen, die für das Überleben der Art funktional waren (z. B. sich gegen andere durchsetzen).
Durch Erfahrung lernt das Individuum zum einen aufgrund bestimmter Hinweisreize jene Situationen zu erkennen, in denen natürliche Anreize verfügbar sind. Die mit ihnen verknüpften Gefühle gewinnen so den Status antizipierter Zielzustände. Zum anderen wird ein Verhaltensrepertoire aufgebaut, mit Hilfe dessen die positiv bewerteten Ereignisse herbeigeführt werden können. Auf diese Weise bilden sich im Laufe der Entwicklung individuelle Präferenzen für bestimmte Zielzustände heraus, die als Motive bezeichnet werden.
Bei McClelland (1985) werden das Leistungs-, Macht- und Anschlußmotiv unterschieden, denen jeweils ein spezifischer Affekt zugeordnet ist (Gefühle des Stolzes, der Stärke, der Geborgenheit bei Befriedigung des Leistungs-, Macht- oder Anschlußmotivs). Es wird angenommen, jeder Mensch besitze die o.g. Motive, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung, was sich daran ablesen läßt, in welchen Situationen ein bestimmtes Motiv aktualisiert wird. Die Motivstärke läßt sich mit dem sog. Thematischen Auffassungstest (TAT) messen, bei dem den Probanden relativ unstrukturierte Bildkarten vorgelegt werden, zu denen Phantasiegeschichten verfaßt werden müssen. Fragebogenverfahren eignen sich weniger, weil hier vor allem bewußt reflektierte Normen und Werte zum Ausdruck kommen.
V.B.
Literatur
McClelland, D. C. (1985). Human motivation. Glenview, IL: Scott, Foresman.
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