Artikel Lexikon der Psychologie

Akteur-Beobachter-Unterschied, ein alltägliches Phänomen, wonach sich Akteure und Beobachter in der Kausalerklärung von Handlungen oder Ereignissen systematisch unterscheiden (Attribution). Während Beobachter dazu neigen, Personen als Ursache für Ereignisse zu erschließen (fundamentaler Attributionsfehler), tendieren Akteure dazu, die Situation, in der sie selbst handeln, als Ursache aufzufassen. Eine Therapeutin, die fehlerhaft interveniert, wird demnach ihre Handlung auf den schwierigen Therapieverlauf zurückführen. Der Klient hingegen hat die Tendenz, den Fehler ihrer mangelnden Kompetenz zuzuschreiben. Akteur-Beobachter Unterschiede werden verschieden erklärt. Eine Hypothese besagt, daß für die Eigenbeurteilung mehr Informationen zur Verfügung stehen: Die Therapeutin weiß mehr über die Variabilität ihres eigenen Verhaltens als der Klient. Eine weitere Erklärung stellt unterschiedliche Wahrnehmungsperspektiven in den Vordergrund: So ist die Aufmerksamkeit des Akteurs auf die Umgebung gerichtet, während sich die Aufmerksamkeit des Beobachters auf den Akteur richtet. Experimentell konnte gezeigt werden, daß bei einer veränderten Wahrnehmungsperspektive Akteure mehr dispositional und Beobachter mehr situational attribuieren. Die veränderte Wahrnehmungsperspektive wurde hergestellt, indem Akteure ihr eigenes Verhalten auf der Grundlage einer Videoaufzeichnung beurteilten und damit selbst zum Beobachter wurden. Beobachter beurteilten auf der Grundlage des Videobandes einen anderen als den zuvor in vivo beobachteten Akteur, so daß sie verschiedene Wahrnehmungsperspektiven einbeziehen konnten. Akteur-Beobachter Unterschiede werden auch auf motivationale Faktoren zurückgeführt. Danach attribuieren Akteure situational, weil sie versuchen, sich für negative Konsquenzen zu rechtfertigen. Beobachter sind hingegen neutraler eingestellt.

E.Ro.

Literatur

Bierhoff, W. (1998). Sozialpsycholgie. Stuttgart: Kohlhammer.

Copyright Spektrum Akademischer Verlag

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