Vielleicht nicht ganz die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub, aber Alternativen, die sowohl die nötigen Kalorien zum Überleben liefern als auch ungefährlich zu erbeuten sind, würden wohl trotzdem gerne genommen werden. So wie von jenen acht Wolfsrudeln von Bella Bella, einem wild zerklüfteten Küstenabschnitt von British Columbia: Sie haben sich eine derartige Quelle erschlossen, wie Chris Darimont von der kanadischen University of Victoria und seine Kollegen beobachteten.
Die Raubtiere begnügen sich dabei keineswegs mit tot angeschwemmten Fischen, sondern fangen sie sogar aktiv im flachen Wasser – verglichen mit der Hatz nach Huftieren im dichten Wald ein deutlich leichteres und vor allem sicheres Unterfangen. Kein Wunder also, dass sie sich den Schuppenträgern zuwenden, obwohl Wild auch im Herbst keinesfalls selten ist. Und auch rein energetisch lohnt sich der Fang von Oncorhynchus nerka, dem Rotlachs des Pazifischen Nordwestens: Er ist so gehaltvoll, dass ein durchschnittlicher Wolf jeden Tag nur rund 600 Gramm Fisch benötigt, um seinen Bedarf zu decken, statt wie sonst dafür 2,7 Kilogramm Fleisch zu verzehren.
Daneben profitiert das Ökosystem vom Nahrungswechsel. Wie die ebenfalls Lachse fressenden Bären sorgen die Wölfe direkt und indirekt für einen Nährstofftransfer aus dem Fluss in die angrenzenden Auen und Wälder: Sie verschleppen tote Fische ins Gebüsch, wo sie anschließend verwesen, oder düngen die Vegetation über ihren Kot und Urin mit lebensnotwendigen Stickstoffen und Phosphorverbindungen. Und weil sie mehr vom Fisch übriglassen als Grizzlys oder Schwarzbären begünstigen sie Krähen, Kojoten und andere Zweitverwerter ebenfalls stärker.
Ganz risikolos ist die Lachskost für Wölfe jedoch nicht: Das Bakterium Neorickettsia helminthoeca befällt häufig Lachsparasiten und tötet bei übermäßigem Verzehr die Räuber. Immer wieder geraten sie mit den ebenfalls zahlreich zur Fisch-Hausse strömenden Bären in Konflikt, die ihre besten Angelreviere wie den äußerst ergiebigen Neekas-Fluss nicht teilen wollen. Die Wölfe meiden deshalb diese Gebiete, bemerkte Darimonts Team.








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1. Wie ist es mit Mäusen?
03.09.2008, Liane Mayer, Wien