Uns brachte diese intensivierte Landwirtschaft stetig sinkende Preise für Brot, Butter oder Fleisch, für die Artenvielfalt der Kulturlandschaft war die Entwicklung allerdings verheerend. In Großbritannien halbierten sich seit 1970 die Bestandsgrößen der meisten dafür typischen Vogelspezies, und in Deutschland stehen zwei Drittel von ihnen auf der Roten Liste der bedrohten Arten: Mancherorts sind ehemalige Allerweltstiere wie Rebhuhn, Kiebitz oder Bekassine bereits völlig verschwunden, und selbst der früher als Plage geltende Feldsperling wird immer seltener.
Um das zu beantworten, bastelten Simon Butler von der Universität im britischen Reading und seine Kollegen ein Modell, in das sie sechs Parameter landwirtschaftlicher Veränderungen einfließen ließen [1]. Sie berücksichtigten unter anderem den erhöhten Einsatz von Pestiziden, die Entwässerung von Feuchtwiesen, häufigere Mahd und den Verlust von Brachen, um zu sehen, wie sich dies auf das Nahrungs- wie Nistplatzangebot der Vögel auswirkt. Anschließend testeten sie, wie sich die Bestände bei bestimmten Nutzungsszenarien veränderten.
Relativ eindeutig war das Ergebnis, sollten bald verstärkt gentechnisch veränderte, herbizidresistente Nutzpflanzen eingesetzt werden. Das Nahrungsangebot, schätzen die Forscher, geht auf dergestaltigen Zuckerrüben- oder Raps-Äckern nochmals deutlich zurück, da Insekten und Ackerunkräuter verschwinden. Rund vierzig Vogelspezies dürften davon betroffen sein: Ihr Bruterfolg schwindet, die Zahlen sinken weiter. Allerdings würde sich nur für den Wiesenpiper (Anthus pratensis) der Status überdurchschnittlich verschlechtern – für die Avifauna macht es also keinen großen Unterschied, ob es sich nun um die bisherige konventionelle oder eine zukünftige gentechnisch aufgepeppte Landwirtschaft handelt.
Neben der veränderten Landwirtschaft wird für die Tierwelt ebenso das Freizeitverhalten der Menschen problematisch, wie Ökologen um Antonio Rolando von der Universität Turin berichten [2]. Denn es benötigt zunehmend selbst ehemals schwer zugängliche Regionen wie das Hochgebirge: Wegen der häufigeren milden Winter weichen Skipisten- und Liftbetreiber in höhere Lagen aus, die noch als schneesicher gelten, aber auch größere Infrastrukturmaßnahmen erfordern – und gefährden damit die dort lebenden Kreaturen.
Das zeigt ein Vergleich der Forscher von alpinen Skigebieten mit fernab gelegenen natürlichen Wiesen, auf denen wesentlich mehr Tiere und mehr Spezies gesichtet wurden als im zum Freizeitpark umgestalteten Gelände. In einem Drittel aller Abfahrtsgebiete sichtete sie während des Untersuchungszeitraums sogar keinen einzigen Vogel, selbst in den angrenzenden, nicht genutzten Arealen waren die Populationen ausgedünnt. Empfindliche Arten wie Steinhühner (Alectoris graeca), Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax) oder Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) leiden dabei nicht nur unter den direkten Störungen und Lebensraumveränderungen, wie sie durch das Planieren der Piste, den Massentourismus oder den Lärm künstlicher Beschneiung ausgelöst werden.
Um zumindest die gröbsten Nachteile für die Vogelwelt zu verhindern, empfiehlt Rolando, nur die stärksten Unebenheiten und störende Felsen zu beseitigen, den Boden möglichst wenig aufzuwühlen oder wenigstens zur Renaturierung heimische Gräser und Kräuter zu säen. Mehr als Kosmetik dürfte das jedoch auch nicht sein.








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