Diese vollkommen mit zähem Öl überzogene Schildkröte zogen Mitarbeiter der US-amerikanischen Behörde für Ozean- und Atmosphärenforschung aus dem Golf von Mexiko.
Verschmutzung auf Dauer
All das auslaufende Öl, könnte Küstenbewohner und Natur auch noch Jahre später nachhaltig gefährden, denn es enthält viele verschiedene Giftstoffe, darunter als kritischste polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wie Naphthalin, Benzol, Toluol oder Xylol, die Mensch, Tier und Pflanze schwer schädigen können. "Diese Kohlenwasserstoffe sind besonders kritisch, wenn man sie inhaliert oder verschluckt", erklärt der Umwelttoxikologe Ronald Kendall von der Texas Tech University. "Im Körper von Säugetieren oder Vögel können die Polyaromaten zu noch giftigeren Verbindungen umgewandelt werden, die dann die DNA angreifen." Mutationen könnten wiederum die Fruchtbarkeit verringern, Krebs oder andere Komplikationen auslösen.
Mittlerweile sind mehrere Millionen Liter des vermeintlichen schwarzen "Goldes" aus dem lecken Bohrloch ins Meer ausgetreten und verseuchen das Ökosystem.
Versteckte Ölpest in der Tiefsee
Doch die Forscher stellten überrascht fest, dass quadratkilometergroße Ölwolken in bis zu 1000 Metern Tiefe unter der Wasseroberfläche im Meer treiben, wo die Giftstoffe intensiv das Wasser kontaminieren. Auf diese Art könnten sie am Ende "weitaus aggressiver und heimtückischer" die Salzmarschen durchsetzen und so Flora und Fauna schädigen, befürchtet Reddy.
Dieses Damoklesschwert schwebt über einem sehr vielfältigen Ökosystem. Mehr als 16 000 Pflanzen- und Tierarten leben im und am Golf von Mexiko, schätzt der Meeresbiologe Thomas Shirley von der Texas A&M University. "Viele ihrer Lebensräume scheinen akut gefährdet, aber wir wissen nicht genau, wo und in welchem Ausmaß", merkte auch Jane Lubchenco, Direktorin der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) am 12. Mai auf einer Pressekonferenz angesichts der aktuellen Ölkatastrophe an.
Eine Schule Delfine springt durch einen Ölteppich, der mit Chemikalien aufgelöst werden sollte. Über kurz oder lange werden viele Organismen durch die Ölpest geschädigt werden, da sich die Schadstoffe im Nahrungsnetz ausbreiten.
Angst vor der Anlandung
Im Hinblick auf Langzeitschäden fürchten die Forscher die eigentliche Anlandung des Öls am meisten: "Wenn das Öl durch Ebbe und Flut die Küstenlinie erreicht, verbindet es sich mit dem Sediment", erklärt Héctor Guzman vom Smithonian Tropical Research Institute in Panama, der sich mit den Folgen der Ölpest 1986 in Panama beschäftigte. "Das Öl tritt dann jahrzehntelang aus dem Boden aus." Besonders kritisch ist das für Küstenstreifen, die als Kinderstuben für Fische oder Vögel gelten; die Verschmutzung dort könnte die Embryonen schädigen und somit ganze Arten über Generationen hinweg belasten.
Am meisten fürchten die Wissenschaftler, dass sich das Öl in den Salzmarschen und Mangroven der Küsten festsetzt und diese auf Dauer zerstört. Dieser Abschnitt wurde bereits verpestet.
Kilometerlang ziehen sich Schadstoffwolken durch das Meer.


Der Autor ist Redakteur bei "Scientific American".






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