Auf Dauer zerstören die Jäger des Roten Tuns damit nicht nur die Art, sondern auch ihre eigene Lebensgrundlage – und das in vollem Bewusstsein. Denn auf der 15. Tagung des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES in Katar fiel jeder Antrag durch, der den Handel mit der begehrten Grundlage von Sushi und Sashimi beschränken oder völlig verbieten wollte: So lehnte eine von Japan angeführte Mehrheit einen Antrag Monacos ab, der die Befischung mit sofortiger Wirkung verbieten sollte. Nicht einmal der wachsweiche Vorschlag der Europäischen Union, zukünftig ein Embargo zu verhängen, wenn die Fischereiindustrie die Überfischung nicht selbst einschränkt, fand Gnade.
Obwohl die Schwärme heillos überfischt sind, konnten sich die CITES-Vertragsstaaten nicht auf ein Handelsverbot für Roten Tunfisch einigen.
In vielen Meeren sind die wichtigen Räuber an der Spitze der Nahrungskette mittlerweile zu 90 Prozent ausgelöscht, selbst in Meeresschutzgebieten wird gewildert, was das Zeug hält. Die Jäger gehen dabei so brutal wie verschwenderisch vor: Meist werden den Tieren bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten und die Fische dann wieder ins Meer geworfen, wo sie elendig umkommen. Auch dieses Milliardengeschäft geht vorerst weiter, ohne dass die ökologischen Folgen für die Ozeane Beachtung finden. Treibende Kraft hinter der Ablehnung war in diesem Fall China: der größte Markt für die Flossen. Und ebenfalls nicht eingeschränkt wird der Handel mit Roten Korallen, deren Vorkommen vielerorts völlig abgetragen und zu Schmuck verarbeitet worden sind. Diese Ablehnung wurde wie beim Tun ein weiteres Mal von Japan organisiert.
Die Rolle der Europäer
Die Europäer brauchen dennoch nicht mit dem Finger nach Fernost zu zeigen: Viele Probleme könnten sie schon innerhalb der Europäischen Union angehen. Warum erlässt die EU kein Fangverbot für den Roten Tun in ihren Gewässern und für ihre Flotten? Oder unterbindet den Handel auf dem Staatsgebiet der Mitgliedsländer? Dadurch ließe sich vielleicht nicht verhindern, dass Spanier, Franzosen oder Italiener illegal gefangenen Tunfisch in Beirut oder auf hoher See an japanische Händler losschlagen. Das Geschäft wäre aber zumindest erschwert. Die gleichen Maßnahmen könnte die EU für den Schutz von Haien und Korallen erlassen.
Der Antrag auf verschärften Schutz für den Hammerhai fiel bei den Delegierten ebenfalls durch.
Und auch auf anderen Gebieten – außerhalb des Wassers – steht es um Europas Leumund nicht zum Besten: Die EU ist einer der größten Märkte für Tropenholz, darunter Millionen Festmeter, die illegal in Südostasien oder Afrika geschlagen wurden und dann als Rohmaterial oder in Form von Möbeln importiert werden. Ein Gesetz, das diese Verstöße ahndet und den Import unter Strafe stellt, harrt seit Jahren der Verabschiedung im Europaparlament. Und Europäer fragen in riesigen Mengen Kakteen, Orchideen, Amphibien und Reptilien nach, die meist aus den Tropen eingeführt und schwungvoll auf Tierbörsen oder im Internet verkauft werden, ohne dass dem ein Riegel vorgeschoben wird. Der Handel mit Tieren, Pflanzen und daraus erzeugten Produkten setzt jedes Jahr Milliardensummen um, entsprechend stark sind die Widerstände, wenn er europaweit eingeschränkt werden soll.
Hier schließt sich der Kreis zu den CITES-Verhandlungen, denn dort lassen sich meist nur Erfolge erzielen, wenn es sich um Arten handelt, deren Handelsvolumen überschaubar ist wie beim Zagros-Molch aus dem Iran oder den Rotaugenlaubfröschen aus Zentralamerika. Oder aber die Tiere haben das Glück, dass sie eine weltweite Fangemeinde haben wie die Elefanten, so dass es die Unterhändler nicht wagen, den Handel mit Elfenbein zu lockern. Schon beim Tiger scheiden sich aber wieder die Geister: Der Westen will ihn stärker schützen, die Chinesen wollen mit Produkten aus kommerzieller Tigerzucht weiter dicke Geschäfte machen – obwohl das auch die Tür für gewildertes Material sperrangelweit aufreißt.
Zu den wenigen Erfolgen der Naturschützer auf der Artenschutzkonferenz gehört der Elefant: Anträge auf Aufweichung des Handelsverbots wurden abgelehnt.








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