Doch jetzt endlich erfährt man etwas! Nur was? Professoren vergeben offenbar Bestnoten für Arbeiten, die gegen elementare Regeln des Wissenschaftsbetriebs verstoßen – so lautet eine der zentralen Botschaften.
Weißer Kittel, weiße Weste?
Natürlich: Selbst die der Wahrheit verpflichtete Wissenschaft ist vor Skandalen nicht gefeit, und das beschränkt sich keineswegs auf Fächer wie Jura. Auch in den "harten" Naturwissenschaften gibt es Seilschaften, tendenziöse, interessengetriebene Interpretationen von Daten, in Einzelfällen handfeste Fälschungen. Nicht unter jedem weißen Kittel findet sich eine weiße Weste, und von manchem schwarzen Schaf erfahren wir womöglich nie etwas, weil über seine Vergehen ein Deckmantel des Schweigens gebreitet wird. Dies zu thematisieren, ist Aufgabe der Medien, und wo ein "Faux-pas" aufgedeckt wird, ist die Aufregung groß.
Die jetzige Diskussion führt den Protagonisten des Wissenschaftsbetriebs vor Augen, welche Verantwortung sie tragen für das Ansehen ihres eigenen – so wichtigen – Berufsstands. Sie sollte aber auch mehr Forscher dazu anspornen, selbst die Initiative in Sachen Wissenschaftskommunikation zu ergreifen und andere Schlagzeilen zu machen. Möglichkeiten, der Öffentlichkeit die eigene – saubere – Arbeit nahe zu bringen, gibt es viele: online und offline.







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1. Skepsis gegenüber Doktortiteln
24.02.2011, S. HänsgenDenn es scheint so, das auch hier in der Wissenschaft Lug und Trug (Plagiate, Dissertations- und Patentklau etc.) an der Tagesordnung, also Normalität, sind. Wissenschaftler sind auch nicht besser als normale Menschen und mit der Affäre Guttenberg hat die Wissenschaft einen guten Stacken an Respekt eingebüßt, ob nur bei meiner Person? Das wird sich in Zukunft zeigen...
Generell beneide ich die Herren und Damen Doktoren und zukünftige Doktoranden in der kommenden Zeit nicht. Der ein oder andere wird sich nun wohl öfters folgende Frage anhören müssen: " Ghostwriter oder selbst kopiert?"
Ein Schelm, wer böses dabei denkt!
2. Schlag ins Gesicht
25.02.2011, Michael Krausein einem Punkt muss ich Ihnen widersprechen, auch in Schulen wird gelehrt wie Wissenschaftler "ticken". Nicht zuletzt müssen Schüler dies sogar "erfahren, indem sie beispielsweise eine sog. wissenschaftliche Arbeit - genannt Facharbeit anfertigen müssen.
Umso mehr empfinde auch ich die Reaktionen auf Hr. von Guttenbergs Fehlverhalten als Schlag ins Gesicht. Denn wie will ich künftig meinen Schülern die Qualifikation verweigern, wenn sie nicht ordentlich zitieren. Bisher wurde es stets so an unserer Schule gehandhabt, dass Arbeiten, in denen Quellenangaben fehlten, mit ungenügend (6) bewertet wurden. Die Quellenangaben waren (und werden es hoffentlich auch in Zukunft sein) ein ganz wichtiges Kriterium für die Nachvollziehbarkeit der Argumentationen. Umso stärker erschüttert mich die "Bagatellisierung" des Verhaltens von Herrn Guttenberg.
Es ist erfreulich, dass Sie diesem Thema so breiten und öffentlichen Raum einräumen.
Viele Grüße,
Michael Krause
3. Lehrer zu Unrecht am Pranger
25.02.2011, Sepp Zimmermann 79682 Todtmoosin Ihrem Artikel schreiben Sie: "All dies wird kaum je erläutert, schon gar nicht in den Schulen, wo es in der Regel um das Lehren und Abfragen von "fertigem Wissen" geht".
Wann waren Sie das letzte Mal in der Schule? Ich selbst arbeite seit 38 Jahren als Biologie- und Chemielehrer an einem Gymnasium. Mein ganzes Unterrichtsleben war davon dominiert, dass ich genau das mit meinen Schülern nicht mache, sondern Arbeitstechniken und Denkweisen der Naturwissenschaften eingeübt habe. Sehr viele meiner gleichalten Kollegen haben dies auch als Hauptthese über ihrem Unterricht stehen.
Leider prangern Sie hier etwas an, was gar nicht mehr in den Schulen existiert sondern nur noch in den Köpfen von Journalisten, die angeblich über Schule Bescheid wissen.
Dieser Kommentar in Bezug auf die Schule hat mich doch tief getroffen.
Insgesamt bin ich aber täglicher Ticker- und leider nur monatlicher Spektrumleser. Ihre Arbeit ist für uns Lehrer sehr wichtig. Deshalb vielen Dank. Ich werde Ihnen deshalb auch die Entgleisung nachsehen, schon deshalb, weil ich diese von allen Seiten höre.
Servus
Sepp Zimmermann
4. Inflation der Doktortitel
25.02.2011, Uwe Zimmermann, UppsalaIch selbst habe meinen Doktortitel an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm erarbeitet, und bin seither auch in der Forschung tätig. Da es sich um einen schwedischen Doktortitel handelt, ist dieser in Deutschland noch nicht einmal als Namensbestandteil akzeptiert - wie dies für einen deutschen Doktortitel der Fall wäre.
Vermutlich hat sich Herr Guttenberg an dem allgemeinen Vorurteil orientiert, dass nach dem Ablegen einer Doktorarbeit, diese ohnehin nur in irgendwelchen Archiven verstaubt, ohne dass jemand sie wirklich lesen würde - geschweige denn, mit anderen Quellen vergleichen würde. So peinlich seine ersten Reaktionen waren, die Sache zu beschwichtigen, desto peinlicher muss die Sache für die Universität sein, die diesen Doktorgrad vergeben hat - zeigt es doch, wie "intensiv" sich Doktorvater und Gutachter mit der Arbeit auseinandergesetzt haben...
5. Uni Bayreuth
25.02.2011, Ronald Bässler6. Unglaubliche Blamage
04.03.2011, Heinrich GundlachOffensichtlich ist es möglich, mit zusammengestellten Kopien aus verschiedenen Werken, den Doktortitel zu bekommen, weil man darauf hoffen kann, dass Professoren jeden "Mist" akzeptieren.
Wer zu Gutenberg verurteilt, muss auch diejenigen, die dies nicht bemerkt haben, zur Rechenschaft ziehen.