Eine richtig gute Antwort darauf hat niemand. Als am wahrscheinlichsten gilt, dass er ein reicher Kaufmann aus Sogdien war, also aus dem heutigen Tadschikistan oder Usbekistan. Aber in den Ländern entlang der sagenumwobenen Handelswege vermischten sich von Alters her nicht nur Kulturen, sondern auch die Menschen. Das macht den Archäologen die Arbeit nicht gerade leichter.
Eine gewaltige Terra Incognita
Oder die Bronzestatue eines Kriegers: Er wirkt zunächst griechisch, europäisch, irgendwie westlich, doch sein spitzer Hut weist ihn als Saken aus. Angehörige dieses mit den Skythen verwandten, indoeuropäischen Volks tragen ähnliche Mützen auf einem Relief in Persepolis. Aber sicher ist nichts an der Seidenstraße: Statt der Saken selbst könnte auch schlicht ihre Tracht in die Region gewandert sein.
Die 190 Exponate aus der Zeit vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis etwa 500 n. Chr. stammen allesamt aus dem heutzutage hauptsächlich von Uiguren bewohnten chinesischen Autonomen Gebiet Xinjiang, wo sie Archäologen erst vor wenigen Jahren entdeckten. Dementsprechend steht die Forschung noch ganz am Anfang. "Die Ausstellung soll in gewisser Weise einen Startschuss für weitere Untersuchungen bieten", erzählt Christoph Lind. Rund zweieinhalb- bis dreitausend ungeöffnete Gräber kenne man noch aus Xinjiang.
mit hervorragend konservierten Funden
Dann können die Forscher beispielsweise an der feinen Verarbeitung einer bronzezeitlichen Jacke ablesen, dass auch schon zweitausend Jahre v. Chr. eine längere Tradition des Schneiderhandwerks gepflegt wurde. Doch solche Schlüsse wirken eher wie eine grobe Standortbestimmung, ein erstes Annähern an ein Volk, für das sich Archäologen gerade erst zu interessieren beginnen.
Abgeschottete frühe Kulturen
So sei zum Beispiel die zeitliche Einordnung mitunter schwierig, vor allem, weil die sonst so gebräuchliche C-14-Methode versage: "Wenn man so will, können wir nur feststellen, dass die Funde aus der Zeit vor 1964 stammen." Damals nämlich unternahmen die Chinesen am nahegelegenen Lop Nor See Atombombentests. Im Ergebnis waren die Radiokarbondaten ruiniert.
Einige Funde aus der Gegend rund um das Tarim-Becken verraten, dass bereits sehr früh Waren und Kulturgüter den Weg entlang der späteren Karawanenstraße genommen haben müssen. Doch zu Anfang lebten die Menschen hauptsächlich in ihrer eigenen, unzugänglichen Welt, wie es Kurator Lind ausdrückt.
"Die Frage, um welche Stämme es sich dabei im einzelnen handelt, haben wir komplett ausgelassen", so der Kurator. Mehr als nur spekuliert werden könne ohnehin nicht. Bei manchen Mumien aus der Region wollen Forscher etwa "europide" Züge ausgemacht haben. Andere sprechen von "mongolider" oder "kaukasider" Abstammung.
Han-Kaiser sichern erstmals die Handelsrouten
Ein ganzes Netz von Karawanenrouten durchzog schließlich Zentralasien – und alle profitierten davon. Nicht nur Luxusgüter wie die namensgebende Seide, sondern praktisch alles, was sich verkaufen ließ, diffundierte auf den Rücken genügsamer zweihöckriger Kamele von Zwischenhändler zu Zwischenhändler und schließlich an die Endpunkte in Europa und Asien. Zu keiner Zeit war der Handel straff durchorganisiert, sagt Lind: "Die planten damals nicht, an 'die Römer' zu verkaufen."
Auch neue kulturelle Impulse wurden so in die Welt getragen. Für viele heutige Chinesen etwa ist die Seidenstraße deshalb so bedeutsam, weil über sie der Buddhismus ins Reich der Mitte gelangte.
Aufbruch ins Unbekannte
Leider springt die Ausstellung parallel zum Gang durch die Jahrhunderte von Fundplatz zu Fundplatz und verwirrt damit zunächst, doch abgesehen davon ist es den Machern geglückt, die Fülle an eindrucksvollen Objekten auch informativ zu präsentieren – und nicht nur auf deren unmittelbare Wirkung zu vertrauen.
Griechen, Perser, Chinesen, Mongolen – an solche altbekannten Stereotypen unseres Bilds der Geschichte lässt sich nur schwer anknüpfen beim Gang durch die Ausstellung. Die Völker am Rande der Taklamakan scheinen eben immer irgendwie dazwischen zu stehen. Doch das tut der Sache ebenso wenig Abbruch wie die großen Wissenslücken der Forscher. Im Gegenteil: Eigentlich ist es ja erfreulich, dass uns die Menschen, denen man entlang der Seidenstraße begegnet wäre, noch immer nicht in voller Klarheit gegenüber treten. Liegt darin doch der Zauber dieses Karawanenwegs: Im Aufbruch in unbekannte Reiche, fernab der vertrauten Zivilisationen.
Die Ausstellung im Museum der Weltkulturen der Reiss-Engelhorn-Museen ist noch bis zum 1. Juni 2008 in Mannheim zu sehen.


Freier Wissenschaftsjournalist








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