Die Künstliche Intelligenz hat sich verselbstständigt und beschlossen, ihren Erschaffer zu versklaven. In einem schrecklichen Krieg verdunkeln die Menschen den Himmel, um den von Sonnenenergie abhängigen Gegner in die Knie zu zwingen. Die KI siegt trotzdem. Sie deckt fortan ihren Energiebedarf durch Anlage riesiger Menschenfelder. Denn jeder menschliche Körper ist ein Minikraftwerk, das rund 500 Watt produziert – genügend Energie für die Maschinen. Die Menschen merken von all dem gar nichts mehr, ihr Geist lebt in einer riesigen Illusion, einem Computerprogramm, weiter: der Matrix.

Dieses Horrorszenario im gleichnamigen Kino-Kassenschlager ist Gott sei Dank fern jeder Realität. Wirkliche Künstliche Intelligenz gibt es nicht und wird es wahrscheinlich auch in absehbarer Zukunft nicht geben. Derzeit müssen wir uns noch mit digitalen Humanoiden à la Lara Croft zufrieden geben. Mit den heutigen "Avataren" – der Begriff stammt aus der hinduistischen Religion und steht für die Inkarnation von Gottheiten – ist bestenfalls eine reduzierte, einfache Kommunikation per Mausklick möglich.

Das könnte jedoch bald anders werden. "Virtual Humans" steht nämlich unter Umständen eine große Zukunft bevor. US-Marines trainieren schon heute auf virtuellen Schlachtfeldern, und bevor die US-Luftwaffe Länder wie Afghanistan oder den Irak angreift, lässt sie die Piloten gegen virtuelle, an der Universität von Kalifornien entwickelte Flieger-Asse antreten. In der zivilen Forschung dienen virtuelle Zeitgenossen etwa als Crash-Test-Dummies. Den größten Bedarf an willigen Opfern und Mitspielern hat aber die Unterhaltungsindustrie: als Gegner in Computerspielen, als Führer durch das Online-Angebot von Handelsketten und natürlich in Kino und Fernsehen.

Angefangen hat alles in der Werbung: Sie erweckte Hollywoodlegenden wie John Wayne oder Humphrey Bogart wieder zum Leben. Dieselben Verfahren der Einzelbildbearbeitung, Montage und Retuschierung machten es Tom Hanks