Angriff ist die beste Verteidigung! Gut sechs Jahrzehnte waren vergangen, seit Psammetich I., Fürst von Sais (heute Sael-Hagar) im Nildelta, die nubischen Fremdherrscher vom Pharaonenthron vertreiben konnte. Doch nach wie vor befürchtete Ägypten einen Angriff Nubiens. Im Jahr 593 v. Chr. rüstete sein Enkel Psammetich II. zum Präventivschlag, zerstörte und plünderte die Städte des südlichen Nachbarlandes, um dem Feind jede weitere Operationsbasis zu nehmen. Im Jahr darauf unternahm der ehrgeizige junge Pharao eine Reise nach Palästina, das zum neubabylonischen Reich gehörte. Um außenpolitische Beziehungen zu verbessern, glauben manche, um den judäischen König zu einer Revolte anzustacheln und den Einflussbereich Ägyptens so wieder zu erweitern, vermuten andere. Doch zwei Jahre später erlag der Pharao einer Krankheit. Mögen wir über die politischen Ambitionen Psammetichs II. nur mutmaßen können, das Datum seines Todes ist gewiss: 9. Februar 589 v. Chr.

Wie ist es möglich, dass Ägyptologen solche Ereignisse auf den Tag genau datieren können? Schließlich kannte man im Nilstaat weder unseren julianischen Kalender noch Christi Geburt als Bezugspunkt. Mehr noch: Wie im Alten Orient üblich, stellte jeder Thronwechsel die Jahreszählung auf eins zurück. Und wer wie lange regierte, überliefern nur wenige Quellen, zudem nie vollständig und verlässlich. So hatte beispielsweise Psammetich II. die Namen nubischer Pharaonen aus Königslisten tilgen lassen. Die Abfolge der Dynastien, die Regierungszeiten der jeweiligen Pharaonen, die in Geschichtsbüchern nachzuschlagen sind – sie alle beruhen auf dem Studium alter Schriften und detektivischer Kleinarbeit. Schon Herodot (um 490- um 425 v. Chr.), Begründer der Geschichtsschreibung, widmete in seinen "Historien" dem Land der Pharaonen ein Kapitel. Im zweiten Buch nennt er den ersten König…