Unkräuter wecken Emotionen; schon die Bezeichnung ist neuerdings umstritten. Naturschützer nennen sie lieber Wildkräuter oder Ackerbegleitflora. In der botanischen Forschung, die Pflanzen nicht unter dem Aspekt ihrer Beseitigung oder Bekämpfung betrachtet, wird zwar der Begriff trotz seiner negativen Vorsilbe verwendet, aber wertfrei als Terminus technicus.

Wildpflanzen werden nach dieser Sicht zu Unkräutern, wenn sie mehr schaden als nutzen (mäßige Bedeckung des Bodens wirkt beispielsweise der Erosion entgegen und sorgt für Artenvielfalt). Obwohl auch im Gartenbau und in der Forstwirtschaft vorkommend, sollen im folgenden nur solche Arten betrachtet werden, die auf landwirtschaftlichen Flächen von Bedeutung sind und daher traditionell als Ackerunkräuter zusammengefaßt werden (Bild 1).

Diese Pflanzen, die von selbst auf Äckern auftreten und dem Rhythmus der Feldbestellung bestens angepaßt sind, stehen mit den jährlich neu ausgesäten oder anderweitig ausgebrachten Kulturpflanzen im Wettbewerb um Licht, Wasser und Nährstoffe. Je nach Standort kann dabei die eine oder die andere Gruppe im Vorteil sein. Wärme und Nährstoffreichtum beispielsweise begünstigen in der Regel das Getreide. In feuchtkühlen Mittelgebirgsgegenden setzen sich hingegen Unkräuter stärker durch und verursachen mitunter erhebliche Ernteeinbußen. Von einer Bedrohung für die Ernährung, wie sie früher von dieser Pflanzengruppe ausging, kann gegenwärtig jedoch – in Zeiten einer Überproduktion von Agrarerzeugnissen – zumindest in Zentraleuropa nicht mehr die Rede sein. Deshalb ist es auch unzeitgemäß, pauschal eine Schadwirkung aller als Unkräuter zusammengefaßten Wildpflanzen anzunehmen.

Herkunft

In Mitteleuropa breiteten sich Ackerbau und Viehwirtschaft im sechsten Jahrtausend vor Christus aus. Diese neue Lebensform, die den Beginn der Jungsteinzeit kennzeichnet, und die damit einhergehende Seßhaftigkeit brachten die ersten gravierenden Eingriffe für die nach der le