Das grandiose Genom-Projekt
Geradezu aberwitzig schien vor rund 25 Jahren der Plan, in einem gewaltigen internationalen Großprojekt die 3 Milliarden Buchstaben unseres genetischen Handbuchs zu entziffern. Die Forscher setzten aber auf Fortschritt - und gewannen.
Pierre Tambourin
Wie ist dieser immense Fortschritt zu erklären? Ein kurzer Rückblick zeigt, dass die Voraussetzungen für diesen Erfolg, wie oft bei wichtigen wissenschaftlichen Durchbrüchen, in den zwanzig Jahren zuvor Schritt um Schritt erarbeitet worden waren.
Bis Mitte der 1980er Jahre hatten Forscher das elementare Instrumentarium der Gentechnologie und damit auch der Sequenzierung der Erbsubstanz DNA entwickelt (dies ist das englische Kürzel für Desoxyribonucleinsäure). Auf geeignete Werkzeuge, unter anderem einige Enzyme, waren sie bei Untersuchungen gestoßen, die zunächst keinerlei praktische Anwendung zum Ziel hatten und lediglich der Grundlagenforschung dienten. Ausgangspunkt war die Beobachtung in den 1960er Jahren, dass manche Bakterien resistent gegen Infektionen mit bestimmten Viren sind, die als Bakteriophagen – Bakterienfresser – bezeichnet werden. In den widerstandsfähigen Mikroben fanden sich schließlich Enzyme, die den Phagen buchstäblich den Lebensfaden durchtrennten: Sie zerschnitten deren DNA an genau definierten Stellen. Die Biologen nannten diese intelligenten DNA-Scheren Restriktionsendonucleasen. Auf ein weiteres überaus nützliches Enzym stießen sie 1969: die Reverse Transkriptase. Mit diesem Molekül brach ein zentrales Dogma der frühen Molekularbiologie in si


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