Das Mischlingskind aus Portugal
Cidália Duarte und Erik Trinkaus
Die weitere Ausgrabung im zentralportugiesischen Lapedo-Tal unter Leitung von Cidália Duarte brachte ein fast vollständiges Skelett zu Tage. Das Kind war etwa vierjährig gewesen und rituell im Gravettien-Stil beerdigt worden. Es lag auf einem Bett aus verbrannten Pflanzen und war mit rotem Ocker bedeckt. Dabei lagen Grabbeigaben: durchbohrte Hirschzähne und eine Meeresmuschel. Solche Gräber hinterließ der moderne Mensch zu jener Zeit in ganz Europa. Frühmoderne Menschen waren vor knapp 30000 Jahren auf die Iberische Halbinsel vorgedrungen. Nach den archäologischen Befunden muss der Neandertaler danach sehr schnell verschwunden sein. Das Kinderskelett, das die Bezeichnung "Lagar Velho 1" erhielt, sollte demnach von einem frühmodernen Menschen stammen – so meinten wir zunächst.
Tatsächlich passen seine anatomischen Merkmale weitgehend in diese Gruppe: zum Beispiel das ausgeprägte Kinn sowie bestimmte andere Details des Unterkiefers, die kleinen Vorderzähne, die Bildung des Daumens, die schmale Vorderseite des Beckens und verschiedene Merkmale des Schulterblatts und des Unterarms. Aber interessanterweise zeigt das Kinderfossil ebenso eine Anzahl von Bildungen, die vom Neandertaler zu stammen scheinen. Vor allem fällt die Frontpartie des Unterkiefers auf, die trotz des Kinns nach hinten flieht. Ungewöhnlich wirken auch Details an den Schneidezähnen, die Ansä


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