Die Bestrebungen für die gesellschaftliche Gleichstellung der Frau erhalten jetzt unerwartet Rückhalt durch Erkenntnisse der Primatenforschung. Bisherige Entwürfe der Menschwerdung hoben in der Regel die führende Rolle des Mannes hervor – auch unterschwellig, etwa mit Begriffen wie "der Mensch als Jäger" oder "der Mensch als Werkzeugmacher"; doch hat sich nun herausgestellt, daß bei den mit uns wohl am engsten verwandten Menschenaffen die Weibchen im Mittelpunkt der Gemeinschaft stehen oder gar die beherrschende Rolle haben.

Diese Art, deren soziales Verhalten in manchem so gar nicht zu dem anderer höherer Primaten paßt, ist wenig bekannt und wird auch erst seit einigen Jahren eingehend erforscht. Ohnehin sind die Zwergschimpansen oder Bonobos (Bild 1) eine der wenigen großen Säugetierarten, die noch in diesem Jahrhundert entdeckt wurden.

Daß es außer dem Orang-Utan, dem Gorillas und dem Gemeinen Schimpansen einen vierten großen Menschenaffen gibt, hat man erst vor gut 60 Jahren herausgefunden. Der deutsche Anatom Ernst Schwarz untersuchte 1929 in einem belgischen Kolonialmuseum einen Schädel, der seiner geringen Größe wegen als der eines jungen Schimpansen galt, doch er erkannte, daß die Knochennähte bereits fest verwachsen waren; demnach mußte es sich um ein ausgewachsenes Individuum gehandelt haben. Schwarz glaubte zunächst an eine neue Schimpansen-Unterart, doch wenige Jahre später gab man dem Tier den Status einer eigenen, völlig neuen Spezies.

Es sollte wegen seiner Ähnlichkeit mit Schimpansen den gleichen Gattungsnamen tragen – der Gemeine Schimpanse heißt wissenschaftlich Pan troglodytes, nach dem griechischen Hirtengott, der halb Tier, halb Mensch war, und dem veralteten Namen für den Höhlen- oder Eiszeitmenschen. Deswegen wurde die neue Art Pan paniscus getauft, also kleiner Pan. Ich glaube allerdings, daß die Experten sich damals anders entschieden hätten, wenn sie schon so viel über die Tiere gewußt hätten wie wir heute. Ursprüngl