Die Buchstabenkombination BCI ist durchaus geeignet, technologiekritische Zeitgenossen frösteln zu lassen; andererseits eröffnet sie Schwerstbehinderten oft die einzige Möglichkeit, mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Die Rede ist von Brain Computer Interfaces: künstlichen Schnittstellen zwischen menschlichem Hirn und Elektronenrechner. Inzwischen sind sowohl im Cortex implantierte Elektroden als auch nichtinvasive Methoden wie die Auswertung von Elektroenzephalogrammen (EEGs) erfolgreich klinisch erprobt worden.

Als Dolmetscher zwischen der inneren Welt zerebraler Aktivität und unserer Umgebung dienen normalerweise Organe wie Mund, Hand und Auge, aber auch die Muskelgruppen im Gesicht. Wird durch eine Krankheit die Befehlsverbindung vom Hirn zu dieser Peripherie gekappt, wird der Kranke zum bloßen Zuschauer unserer Welt – ohne jede Möglichkeit sich mitzuteilen; die kognitiven Fähigkeiten bleiben dabei oft lange Zeit intakt. Dieses grausame Schicksal bezeichnet man als "locked-in-Syndrom". Verursacht werden kann es von Nerven- und Muskelerkrankungen wie der amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einem Hirnstamminfarkt oder dem Guillain-Barré-Syndrom, einer Nervenwurzelentzündung, die oft im Zusammenhang mit AIDS-Erkrankungen auftritt.

Vor einem Jahr ist es einem Neurologenteam an der Emory-Universität in Atlanta (Georgia) erstmals gelungen, mittels implantierter Elektroden eine langzeitstabile direkte Verbindung zum menschlischen Gehirn herzustellen (Neuroreport, Bd. 9, S. 1707). Die Patientin litt seit zweieinhalb Jahren an ALS und war zuletzt wegen zunehmenden Muskelschwundes nicht mehr in der Lage, ihren Computer mit Sprachausgabefunktionen zu bedienen. Zum Zeitpunkt des Versuches konnte sie lediglich durch geringfügige Augenbewegungen "Ja" und "Nein" signalisieren. Den Wissenschaftlern unter Leitung von Roy A. Bakay genügte das, um mit Hilfe von Buchstabentafeln festzustellen, daß ihre Wahrnehmungsfähigkeiten intakt waren.

Schwieriger gestaltete