Intellektuelle Fähigkeiten und kogni- tive Prozesse verändern sich mit den Jahren, allerdings nicht einheitlich. Nicht nur verschiedene Personen altern unterschiedlich – hohe Leistungsfähigkeit ist bei Betagten ebenso zu finden wie starker geistiger Abbau –, sondern auch die einzelnen Fähigkeiten, die zusammen die Intelligenz ausmachen. Zum Beispiel lassen die Geschwindigkeit und Präzision nach, mit der Wahrnehmungs- und Denkaufgaben gelöst werden. Fähigkeiten hingegen, die auf Wissen und Lebenserfahrung aufbauen, können bis in späte Lebensphasen erhalten bleiben oder sogar noch wachsen.

Was sich als Altern der Intelligenz äußert, beruht demnach auf einem komplexen Zusammenspiel biologisch bedingter Einbußen und kulturell vermittelter Zugewinne. Für daran interessierte Entwicklungspsychologen heißt das, sich den altersbedingten Möglichkeiten wie auch Grenzen intellektueller Leistungen gleichermaßen zu widmen und sich nicht einseitig auf Abbau oder Zugewinn zu fixieren.

Diesem Doppelcharakter des kognitiven Alterns trägt auch ein Zwei-Komponenten-Modell der Intelligenz Rechnung, das auf Überlegungen der amerikanischen Psychologen Raymond Cattell und John Horn sowie des kanadischen Psychologen Donald Hebb aus den späten vierziger und in den sechziger Jahren aufbaut: Es trennt das System der Intelligenz in eine mechanische und eine pragmatische Komponente (Bild 2). Diese Unterscheidung orientiert sich an den von Cattell und Horn entwickelten Konzepten einer fluiden und einer kristallinen Intelligenz (Spektrum der Wissenschaft, Mai 1984, Seite 46).

Unter kognitiver Mechanik verstehen wir gewissermaßen die biologisch-evolutionär vorgeprägte Hardware des Gehirns; ihre Leistungsfähigkeit äußert sich beispielsweise in der Geschwindigkeit und Präzision, mit der grundlegende Prozesse der Informationsverarbeitung ablaufen, und in basalen Wahrnehmungsfunktionen ebenso wie in elementaren Prozessen des Unterscheidens, Vergleichens und Klassifizierens. Als de