Die zwei Gesichter der Intelligenz im Alter
Altersbedingte Einbußen in der mechanischen Intelligenz lassen sich durch geeignetes Training in gewissem Maße ausgleichen. Wenn es dabei aber um höchste Anforderungen geht, werden Grenzen deutlich. Wie steht es dagegen mit Spitzenleistungen in der pragmatischen Intelligenz, insbesondere bei weisheitsbezogenem Wissen, das bevorzugt Älteren zugeschrieben wird?
Paul B. Baltes, Ulman Lindenberger und Ursula M. Staudinger
Was sich als Altern der Intelligenz äußert, beruht demnach auf einem komplexen Zusammenspiel biologisch bedingter Einbußen und kulturell vermittelter Zugewinne. Für daran interessierte Entwicklungspsychologen heißt das, sich den altersbedingten Möglichkeiten wie auch Grenzen intellektueller Leistungen gleichermaßen zu widmen und sich nicht einseitig auf Abbau oder Zugewinn zu fixieren.
Diesem Doppelcharakter des kognitiven Alterns trägt auch ein Zwei-Komponenten-Modell der Intelligenz Rechnung, das auf Überlegungen der amerikanischen Psychologen Raymond Cattell und John Horn sowie des kanadischen Psychologen Donald Hebb aus den späten vierziger und in den sechziger Jahren aufbaut: Es trennt das System der Intelligenz in eine mechanische und eine pragmatische Komponente (Bild 2). Diese Unterscheidung orientiert sich an den von Cattell und Horn entwickelten Konzepten einer fluiden und einer kristallinen Intelligenz (Spektrum der Wissenschaft, Mai 1984, Seite 46).
Unter kognitiver Mechanik verstehen wir gewissermaßen die biologisch-evolutionär vorgeprägte Hardware des Gehirns; ihre Leistungsfähigkeit äußert sich beispielsweise in der Geschwindigkeit und Präzision, mit der grundlegende Prozesse der Informationsverarbeitung ablaufen, und in basalen Wahrnehmungsfunktionen ebenso wie in elementaren Prozessen des Unterscheidens, Vergleichens und Klassifizierens. Als de


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