Ein neues Modell der Homo-Evolution
Jüngsten Befunden zufolge verlief die Entwicklung zum modernen Menschen viel komplizierter als bisher angenommen: Die Familie der Hominiden brachte in Afrika wohl mehrmals neue Linien der Gattung Homo hervor; andere Arten entstanden offenbar in Eurasien, starben aber schließlich aus.
Ian Tattersall
Alle späteren Menschen hielt man für Nachfahren dieser verbreiteten, lange überdauernden Spezies; und nach fast einhelliger Meinung gehörten diese sämtlich zu einer Art und zur selben wie der heutige Mensch. Der Tatsache, daß einige Vertreter dieser Gruppe von uns jetzigen Menschen auffallend abwichen, wurde man durch Unterscheidung eines sogenannten archaischen Homo sapiens gerecht.
So überschaubar stellt sich unser Stammbaum nun nicht mehr dar. Nach Erkenntnissen aus den letzten Jahren verlief die menschliche Evolution in ihren späteren Abschnitten wesentlich ereignisreicher als lange angenommen.
Dies gilt zwar auch für ihre ersten Phasen, doch spricht bislang nichts gegen Afrika als eigentliche Wiege des Menschen. Denn für mehr als die Hälfte der Zeitspanne, in der die Familie der Hominiden – in die man alle Primaten mit aufrechtem Gang stellt – nachgewiesen ist, gibt es keinen einzigen Beleg für ein Vorkommen außerhalb Afrikas. Hingegen scheint es nach jüngsten Befunden möglich, daß die ersten Menschen, die Afrika verließen, noch gar nicht zu Homo erectus gehörten. Vielleicht hat die Ausbreitung früher begonnen, als man bislang dachte.
Verwirrung in der Vorgeschichte
Seit in Kenia kürzlich Fossilien eines Vormenschen entdeckt wurden, die man der neuen Hominiden-Art Australopithecus anamensis zuschreibt, ist der Beginn des aufrechten Ganges auf 3,9 bis 4,2 Millionen Jahre zurückzudatieren (Bild 3). Zweifelhafter ist die Deutung von Funden aus Äthiopien, denen zufolge eine Ardipithecus


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