Extremisten des Lebens
Manche Mikroorganismen benötigen Umweltbedingungen, wie kaum eine andere Kreatur sie übersteht. Ihre daran angepaßte enzymatische Ausstattung ist ein Fundus für industriell und anderweitig nutzbare Biokatalysatoren.
Prof. Dr. Michael T. Madigan und Dr. Barry L. Marrs
Einige dieser Lebenskünstler sind seit Jahrzehnten bekannt, wurden aber eher als seltene Ausnahmen angesehen. Erst in neuerer Zeit zeigte sich, daß bislang als keimfrei erachtete Plätze der Erde eine reiche Mikrofauna unterhalten können. Seitdem wird intensiver nach Extremophilen gesucht – auch deshalb, weil man sich von ihrer molekularen Überlebensausstattung vielfältige Anwendungsmöglichkeiten verspricht.
Besonderes Interesse gilt ihren speziell an ein solches Dasein angepaßten Enzymen. Ohne Proteine wie diese läuft kaum eine chemische Umsetzung in irgendeinem Organismus ab: Wie technische Katalysatoren verringern sie die erforderliche Aktivierungsenergie und gehen selbst unverändert aus der Reaktion hervor. Angewandt werden Enzyme schon auf vielen Sektoren, von der Industrie bis zur Biomedizin, beispielsweise um Süßstoffe oder gebraucht aussehende Blue Jeans herzustellen, Straftäter anhand des genetischen Fingerabdrucks zu überführen oder Infektions- und Erbkrankheiten zu diagnostizieren. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr weltweit rund vier Milliarden Mark.
Gewöhnliche kommerziell eingesetzte Enzyme sind allerdings, wie die meisten Proteine, gegenüber hohen Temperatu-ren und anderen harschen Bedingungen empfindlich; damit sie stabil bleiben und zuverlässig arbeiten, sind für ihre Lagerung und Anwendung oft eigene Schutzvorkehrungen erforderlich. Mit widerstandsfähigen, diesen Aufwand nicht erfordernden Pendants aus extremophilen Organismen könnte man etablierte Verfahr


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