Kochend heiße Quellen, klirrend kaltes Meereis, ätzend saure Gewässer oder scharfe Salzlauge – die meisten Lebewesen würden darin rasch zugrunde gehen. Für eine Reihe von Mikroorganismen jedoch sind gerade das die heimischen Gefilde (Bild 1). Die Extremophilen (nach griechisch philos für lieb, angenehm) tolerieren die eine oder andere dieser extremen Lebensbedingungen nicht einfach nur noch, sondern brauchen sie sogar meist, um überhaupt zu gedeihen und sich zu vermehren.

Einige dieser Lebenskünstler sind seit Jahrzehnten bekannt, wurden aber eher als seltene Ausnahmen angesehen. Erst in neuerer Zeit zeigte sich, daß bislang als keimfrei erachtete Plätze der Erde eine reiche Mikrofauna unterhalten können. Seitdem wird intensiver nach Extremophilen gesucht – auch deshalb, weil man sich von ihrer molekularen Überlebensausstattung vielfältige Anwendungsmöglichkeiten verspricht.

Besonderes Interesse gilt ihren speziell an ein solches Dasein angepaßten Enzymen. Ohne Proteine wie diese läuft kaum eine chemische Umsetzung in irgendeinem Organismus ab: Wie technische Katalysatoren verringern sie die erforderliche Aktivierungsenergie und gehen selbst unverändert aus der Reaktion hervor. Angewandt werden Enzyme schon auf vielen Sektoren, von der Industrie bis zur Biomedizin, beispielsweise um Süßstoffe oder gebraucht aussehende Blue Jeans herzustellen, Straftäter anhand des genetischen Fingerabdrucks zu überführen oder Infektions- und Erbkrankheiten zu diagnostizieren. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr weltweit rund vier Milliarden Mark.

Gewöhnliche kommerziell eingesetzte Enzyme sind allerdings, wie die meisten Proteine, gegenüber hohen Temperatu-ren und anderen harschen Bedingungen empfindlich; damit sie stabil bleiben und zuverlässig arbeiten, sind für ihre Lagerung und Anwendung oft eigene Schutzvorkehrungen erforderlich. Mit widerstandsfähigen, diesen Aufwand nicht erfordernden Pendants aus extremophilen Organismen könnte man etablierte Verfahr