Fortpflanzungsstrategien des Dreistachligen Stichlings
Dieser kleine Fisch diente der vergleichenden Verhaltensforschung dazu, Instinkt-Modelle zu entwickeln. Wegen vieler unerwarteter Facetten seines Fortpflanzungsverhaltens – vom Nestbetrug bis zum Ei-Kannibalismus – findet er indes auch das Interesse der heute vorherrschenden Öko-Ethologie.
Gerard J. FitzGerald
Das Objekt meiner Neugier war der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus), ein gut fingerlanger Fisch der nördlichen gemäßigten Breiten, der sowohl im Meer als auch im Brack- und Süßwasser zu Hause ist. Seinen Namen hat er wegen der drei beweglichen scharfen Rückenstacheln, mit denen er sich gegen seine vielen Freßfeinde wehrt.
Wer den kleinen Fisch das erste Mal sieht, findet vielleicht nichts Besonderes daran. Für die Verhaltensforscher aber zählt er zu den interessantesten Tieren. Der niederländische Biologe Nikolaas Tinbergen (1907 bis 1988; 1973 erhielt er mit Karl von Frisch und Konrad Lorenz den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin) hat ihn schon als Kind in den Wasserläufen seiner Heimat beobachtet und oft in Marmeladengläsern nach Hause gebracht. Als er 1947 an der Universität Leiden Dozent wurde, entschied er sich, mit ihm Laborversuche zu machen. Im ersten zusammenfassenden Lehrbuch der vergleichenden Verhaltensforschung, der 1950 erschienenen „Instinktlehre“ („The Study of Instinct“), beschrieb er bereits das faszinierende Balz- und Brutpflegeverhalten – wie die Männchen Reviere erobern und Nester bauen, zu denen sie die Weibchen zum Ablaichen locken, und wie sie dann allein für die Eier und die Jungen sorgen. Tinbergen sagte späte


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