Spektrum der Wissenschaft: Neue Studien weisen darauf hin, dass künstlich gezeugte Kinder mehr Fehlbildungen haben als andere Kinder. Sind die Fortpflanzungsmediziner von diesen Befunden beunruhigt oder ist das falscher Alarm?

Prof. Dr. Klaus Diedrich: Grundsätzlich muss man solche Studien immer ernst nehmen. Ich möchte hier aber zwischen IVF und ICSI unterscheiden, also zwischen herkömmlicher In-vitro-Fertilisation und der Injektion von Spermien in Eizellen. Es gibt durchaus Studien, die eine etwas erhöhte Fehlbildungsrate nach IVF anzeigen. Doch das Deutsche IVF-Register, in dem alle künstlichen Befruchtungen hier zu Lande registriert werden, ergibt solche Hinweise nicht. Im Jahre 2001 zum Beispiel gab es 75000 IVF-Behandlungen in Deutschland; die Schwangerschaftsrate lag bei 25 Prozent, die Fehlbildungsrate bei den geborenen Kindern betrug 2,4 Prozent. Das ist vergleichbar mit normalen Schwangerschaften, wo die Fehlbildungsrate zwischen zwei und fünf Prozent liegt – abhängig vom Alter der Frau.

Spektrum: Und gibt es auch Zahlen zu ICSI?

Diedrich: Die Fehlbildungsrate bei der ICSI liegt, ausgehend vom Deutschen IVF-Register, etwa bei 3,4 Prozent. In diesem Zusammenhang muss ich auch die deutsche ICSI-Studie erwähnen, die unlängst erschien. Hier wurden 3000 Kinder, die nach ICSI geboren wurden, mit 8000 normal gezeugten Kindern verglichen. In dieser Studie betrug die Fehlbildungsrate bei den ICSI-Kindern 8,3 Prozent, bei den Kindern aus dem "Normalkollektiv" hingegen 6,8 Prozent. Die Fehlbildungsrate scheint bei der ICSI also tatsächlich etwas erhöht zu sein. Auch ausländische Studien deuten darauf hin.

Spektrum: Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Diedrich: Wir weisen die betroffenen Paare auf diese Ergebnisse hin. Um es noch einmal etwas genauer zu quantifizieren: Bei einer normalen Schwang