Manches ändert sich nie – oder etwa doch? Im Jahre 1979, nach 30 Jahren Fusionsforschung, war eine Plasmazündung immer noch nur in einer Wasserstoffbombe gelungen. Das Ziel, die Energiequelle der Sonne in einem irdischen Reaktor kontrolliert zum Sprudeln zu bringen, schien kaum näher gerückt. Dennoch prophezeite ich damals in dieser Zeitschrift, daß die prinzipielle Machbarkeit eines sich selbst unterhaltenden Kernverschmelzungsprozesses im Labor innerhalb von zehn Jahren nachgewiesen würde und man danach zur Entwicklung von Fusionskraftwerken schreiten könne (Spektrum der Wissenschaft, Januar 1979, Seite 60). Die Triebfeder der Fusionsforschung war und ist das Wissen, daß ein Fingerhut voll flüssigen schweren Wasserstoffs genausoviel Energie zu liefern vermag wie 20 Tonnen Kohle.

Inzwischen mühen sich Wissenschaftler schon ein halbes Jahrhundert um das, was man als Gral der Energieforschung bezeichnen könnte. Doch nach wie vor erklären die Experten, daß wir von der Zündung noch rund zehn Jahre entfernt seien. Die Energiekrise der siebziger Jahre ist lange vergessen und die Geduld derer, die immer größere und teurere Forschungsreaktoren finanzieren sollen, gelinde gesagt, strapaziert. Vor nicht einmal drei Jahren wollte ich die Arbeit an den Sandia-Nationallaboratorien in Albuquerque (New Mexico) aufgeben. Wir waren immer noch um den Faktor 50 von dem zur Fusionszündung benötigten Produkt aus Dichte, Temperatur und Einschlußzeit des Plasmas entfernt.

Doch inzwischen habe ich neue Hoffnung geschöpft, daß sich das Sonnenfeuer doch noch innerhalb der nächsten zehn Jahre im Labor entfachen läßt. Der Grund ist ein neues Gerät, die sogenannte Z-Machine, die äußerst intensive Röntgenpulse abfeuern kann (Bild 1).

Die Wasserstoffbombe liefert den Beweis, daß die Kernfusion möglich ist. Hier dient eine explosive Kernspaltungsreaktion als Zünder (Bild 2 links). Die dabei ausgesandte Strahlung heizt Wasserstoff in einem Behälter im Innern der Bombe auf und