Künstliche Moleküle, die sich vermehren
Im Labor geschaffene organische Verbindungen können Kopien von sich selbst anfertigen, in gewissem Sinne mutieren, um Ressourcen konkurrieren oder sich zusammenlagern - und damit grundlegende Prozesse des Lebens nachahmen.
Julius jr. Rebek
Gemeinsam mit meinen Kollegen am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge habe ich mir solche sich selbst duplizierenden Moleküle ausgedacht und im Labor hergestellt. An ihrem Beispiel hoffen wir etwas darüber zu lernen, wie das Leben entstanden sein könnte; denn aller Wahrscheinlichkeit nach nahm es seinen Ausgang von Molekülen, die sich selbst zu reproduzieren vermochten. Auch wenn unsere organischen Substanzen nicht in lebenden Systemen vorkommen, gewähren sie doch wesentliche Einblicke in die Prinzipien der Selbstreplikation.
Bedingungen der Selbstreplikation
All die in neuerer Zeit unternommenen Versuche, den Ursprung des Lebens nachzuvollziehen, gelten Ereignissen, die sich vor vielleicht 3,5 Milliarden Jahren auf der Erde abgespielt haben. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie die atmosphärischen und terrestrischen Bedingungen damals waren oder welches Molekül die Schwelle zwischen organischer Chemie und Biologie überschritt.
Im Jahre 1953 unternahm Stanley L. Miller, damals an der Universität Chicago, den wohl ersten Versuch, den Übergang zwischen toter Materie und Leben im Labor nachzuvollziehen. Er behandelte ein Gemisch aus Wasser, Methan, Ammoniak und Wasserstoff-Substanzen, von denen man glaubte, daß sie auf der jungen Erde vorkamen – mit elektrischen Entladungen und erhielt dabei Aminosäuren, also Grundbausteine der Proteine. Die Enträtselung der Struktur der Erbsubstanz DNA (Desoxyribonucleinsäure) durch James


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