Länger leben bei karger Kost?
Knapp mit allem Nötigen versorgt – so bleiben zumindest Nagetiere lange gesund und überleben ihre wohlgenährten Artgenossen. Es gibt erste Hinweise dafür, daß auch dem Menschen eine stets etwas karge, aber sorgsam ausgewogene Kost besonders zuträglich ist.
Anschließende Beobachtungen ergaben, daß die auf Diät gesetzten Nager auch weniger der typischen Altersleiden bekamen, die man von diesen Labortieren kennt. Seitdem ist es immer allein mit dieser Maßnahme gelungen, die Alterung von Nagetieren eindeutig zu verlangsamen – und gleiches gilt offenbar für Fische und selbst Wirbellose wie Rundwürmer oder Taufliegen, ja sogar für Einzeller (Bild 1).
Ob sich das Rezept beim Menschen ebenfalls bewähren würde ist allerdings bislang keineswegs erwiesen. Immerhin ist das nicht unwahrscheinlich, weil so verschiedenartige Organismen – darunter offenbar auch Affen – darauf ansprechen. Außerdem gibt es für unsere Gattung einige vielversprechende Indizien.
Dennoch dürfte die Aussicht auf einen solchen Jungbrunnen schwerlich über die täglichen Verlockungen von gutem und kräftigem Essen obsiegen; wie viele bringen schon die Disziplin auf, sich bei jeder Mahlzeit zurückzuhalten? Vielleicht kann aber die Wissenschaft helfen, etwa mit Appetitzüglern, die auch bei dauernder Einnahme ungefährlich sind, oder mit Substanzen, die bewirken, daß der Körper die zugeführten Kalorien nur zum Teil verwertet.
Viele Forschergruppen, so auch meine, suchen derzeit nach den zellulären und molekularen Ursachen für die günstigen Effekte knapp ausreichender Kost. Unter Umständen finden wir dabei Alternativen für Hungerkuren und die permanent strikte Ernährungskontrolle. Unser Hauptziel allerdings ist, das Altern selbst – beziehungsweise die Prozesse, die es ausmachen – aufzuklären.
Experimente mit Nagern
Schon jetzt ist deutlich, daß eine kalorienreduzierte Diät Tieren in erstaunlich vieler Hin


Richard Weindruch hat eine außerordentliche Professur für Medizin an der Universität von Wisconsin in Madison. Er gehört auch dem Direktorium des Instituts für Altern seiner Universität an und arbeitet am klinischen Zentrum für geriatrische Forschung und Ausbildung der amerikanischen Veteranen-Behörde in der Stadt. Promoviert hat er in experimenteller Pathologie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Sein Lebenswerk gilt den Auswirkungen von energiereduzierter Ernährung auf Körperfunktionen und Altern. Weindruch hält selbst ein wenig Diät, verlangt das aber nicht von seiner Familie (und den beiden Katzen im Haus).
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