Wie kein zweites weltanschauliches und wissenschaftsbasiertes Konzept hat die Theorie der biologischen Evolution seit Charles Darwin (1809 bis 1882) das Denken und die Diskussion beeinflußt – auch außerhalb ihres eigenen Fachgebiets. Inzwischen kann die Vorstellung einer kohärenten Entwicklung vom Molekül bis zum Menschen sogar für sich in Anspruch nehmen, die umfassendste Theorie in den Naturwissenschaften überhaupt zu sein.

Sie ist das Thema des vorliegenden Buches, das in Verbindung mit einer titelgleichen Sendereihe des ZDF entstand. In neun durchweg kompetent recherchierten und anregend geschriebenen Kapiteln breitet Ruth Omphalius, Wissenschaftsjournalistin sowie studierte Germanistin und Kunsthistorikerin, die Geschichte des Lebens auf der Erde als ein großes Schauspiel aus.

Die Ouvertüre kommt etwas theatralisch daher, mit großformatigen Photos zu den sieben Schöpfungstagen der Genesis; aber der göttliche Funke spielt fortan in der Darstellung keine Rolle mehr. Es folgen Kapitel über die Chemie der Ursuppe und das erste, aber folgenreiche Auftreten einzelliger Organismen, über die spektakulären Fossilien der frühkambrischen Burgess-Schiefer, den Aufstieg der Dinosaurier und die Eroberung des Luftraums durch flugfähige Reptilien, den ökologischen Erfolg der Insekten, die Sexualität als Motor der Evolution, das Lucy genannte Skelett-Relikt eines frühen Hominiden (Australopithecus afarensis) und das gescheiterte NASA-Projekt Biosphere II. Jedes Kapitel enthält als selbständigen Textkasten den authentischen Werkstattbericht eines renommierten Fachwissenschaftlers zum jeweiligen Thema; unter anderen kommen Wolfgang E. Krumbein aus Oldenburg, Simon Conway Morris aus Cambridge, Wighart von Koenigswald aus Bonn und Peter Wellnhofer aus München zu Wort.

Vollständigkeit auch nur anzustreben wäre bei der komplexen Materie ohnehin aussichtslos gewesen. Bei der Auswahl der Themen ging es der Autorin darum, Erkenntnisgewinn und Forschungsforts