Quasikristalle in neuem Licht
Es gibt zwar eine theoretische Vorstellung, wie Atome sich zu Festkörpern mit einer ungewöhnlichen Symmetrie zusammenballen könnten; aber die Atome haben wenig Anlaß, dieser Vorstellung zu folgen. Ein neues, plausibleres Muster könnte die Erklärungsnot lindern.
Dr. Christoph Pöppe
Zunächst glaubte niemand, daß die Atome eines Festkörpers ein Volumen mit einer gewissen Ordnung, aber ohne Periodizität füllen könnten. Immerhin ist eine solche Füllung möglich, wenn man anstelle der Atome Rhomboeder nimmt: Würfel, die in allen drei Raumrichtungen derart verzerrt sind, daß ihre Grenzflächen keine Quadrate, sondern Rhomben (Rauten) sind. Der inzwischen emeritierte Tübinger Physiker Peter Kramer hat eine lückenlose Füllung des Raumes mit Rhomboedern gefunden, die nachweislich nicht periodisch sein kann, auch nicht mit beliebig großer Periode, dafür jedoch eine fünfzählige (genauer: Ikosaeder-)Symmetrie aufweist.
Da zwei Dimensionen einfacher zu verstehen sind als drei, spielte sich der größte Teil der Forschungsaktivitäten nicht im Raum, sondern in der Ebene ab, mit gewöhnlichen Rauten anstelle der Rhomboeder. Das bekannteste Ergebnis dieser Aktivitäten sind die Pflasterungen der Ebene, die der Oxforder Mathematiker Roger Penrose (derselbe, der in jüngster Zeit durch seine Auseinandersetzung mit Stephen Hawking von sich reden machte, siehe Spektrum der Wissenschaft, September 1996, S. 46) in den siebziger Jahren intensiv erforscht hat. Man kann sich deren Bestandteile als Pflastersteine oder Kacheln (tiles) vorstellen. Bei der Penro


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