Anfang der fünfziger Jahre unternahm Stanley L. Miller, heute an der Universität von Kalifornien in San Diego, zusammen mit Harold C. Urey an der Universität Chicago sein berühmtes Experiment zur Entstehung des Lebens. Er schickte elektrische Entladungen durch ein mit Ammoniak und Methan gefülltes Gefäß, das die Uratmosphäre der Erde darstellen sollte. Damit verbunden war ein zweiter Behälter, der – sozusagen als Urozean – Wasser enthielt. Nach mehreren Wochen konnte Miller in dem Wasser Aminosäuren und andere Substanzen nachweisen, die Grundbausteine von Biomolekülen sind.

Damit schien ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Entstehung des Lebens auf der Erde geklärt. Zwar hatte die Uratmosphäre nach heutigem Erkenntnisstand eine andere Zusammensetzung. Doch spätere Experimente zeigten, dass sich die chemischen Grundsubstanzen des Lebens unter den verschiedensten Bedingungen bilden können. Dazu muss nur hinreichend konzentriert Energie zugeführt werden, sei es durch elektrische Entladungen oder ultraviolette, ionisierende oder kosmische Strahlung.

Das bedeutet aber, dass es überall im Universum zumindest Vorstufen von Biomolekülen gibt – in unserem Sonnensystem zum Beispiel selbst auf so unwirtlichen Plätzen wie einigen Jupitermonden. Tatsächlich finden sich Grundsubstanzen des Lebens auch in Meteoriten und Kometen sowie im kosmischen Staub, der stetig auf die Erde niederrieselt. Diese Tatsache gab Anlass zu der Vermutung, dass die Zufuhr solcher Substanzen aus dem All die Urzeugung auf der Erde gefördert und beschleunigt haben könnte. Erkenntnisse und Überlegungen dazu stellten erst kürzlich Louis J. Allamandola und Kollegen vom Ames-Forschungszentrum der Na-sa in Moffett Field (Kalifornien) in dieser Zeitschrift vor (Spektrum der Wissenschaft, 10/99, S. 26)

Das Vorhandensein von Molekülen, die sich vielleicht auch noch selbst reproduzieren, bildet aber nur eine der notwendigen Bedingungen für Leben; denn Leben ist mehr: Seine Elemente sin