Wer einmal über den Atlantik in die Staaten geflogen ist, kennt das Phänomen: Am Zielort überfällt einen schon nachmittags bleierne Müdigkeit, mitten in der Nacht wacht man auf und ist putzmunter, und der Appetit regt sich zu absonderlichen Zeiten. Grund dafür ist die Zeitverschiebung von sechs Stunden oder mehr. Unsere innere Uhr läuft noch nach der Zeitzone unseres Heimatortes, und bis der körpereigene Tagesrhythmus sich umgestellt hat, vergehen einige Tage.

Fast täglich setzen meine Mitarbeiter und ich winzige Taufliegen der Art Drosophila melanogaster ähnlichen Jet-Lags aus. In unserem Labor an der Rockefeller-Universität in New York stehen große Brutschränke, einer etwa mit der Aufschrift "New York" und einer namens "San Francisco". Darin geht das Licht im Prinzip immer dann an und aus, wenn in den beiden Metropolen der Tag anbricht beziehungsweise zu Ende geht. Um bis auf den dreistündigen Zeitunterschied alles andere konstant zu halten, legen wir jedoch den Sonnenaufgang auf sechs Uhr morgens fest, den Untergang auf sechs Uhr abends. Zudem bieten die Brutschränke eine gleich bleibende Temperatur von angenehmen 25 Grad Celsius.

Die Fliegen unternehmen ihre simulierte Flugreise in kleinen, auf besonderen Haltern befestigten Glasröhrchen, wo eine feine Infrarot-Lichtschranke ihre Aktivität überwacht (siehe Kasten auf Seite 77). Jedes Mal wenn die Insassin den unsichtbaren Strahl durchquert, verdunkelt sie einen Fototransistor, der dies an den angeschlossenen Aufzeichnungscomputer meldet. Die Fliegen von "New York" nach "San Francisco" zu befördern bedarf nur weniger Handgriffe: Wir versetzen das ganze Gestell mit den Glasröhrchen von einem Brutschrank in den anderen und schließen dort die Verbindung zum Überwachungscomputer wieder an.

Die fingierte Transkontinental-Verfrachtung h