Zehn Jahre Tschornobyl-Katastrophe
Der Name der kleinen Stadt in der Ukraine wurde zum Synonym für das bislang größte und schwerste Unglück in der Geschichte der zivilen Kerntechnik. Der Autor, damals Seuchenarzt in Kyiw und heute Botschafter seines Landes in den Vereinigten Staaten, hat die Auswirkungen des Reaktorunfalls von Anfang an miterlebt. Er schildert aus seiner Sicht die damaligen Geschehnisse und die Folgen, die noch einige Generationen lang andauern werden.
Diese Worte schrieb mir 1986 der Schichtleiter jener Mannschaft, die Block 4 in dem aus vier Kernreaktor-Anlagen bestehenden Kraftwerkkomplex Tschornobyl in der Nordukraine bediente, als dieser explodierte. Die Detonationen und das nachfolgende Feuer setzten radioaktive Partikel frei, die weite Teile Osteuropas kontaminierten. Der Schichtleiter wurde später zusammen mit einigen Kollegen wegen seiner Mitverantwortung an dem Unglück zu einer Haftstrafe verurteilt, obwohl er niemals eine Schuld eingestand.
Nachfolgende Untersuchungen der Behörden haben jedoch aufgezeigt, daß nicht nur die Bedienungsmannschaft, die in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 in der Anlage Dienst tat, Verantwortung für diese unvergleichliche Tragödie trägt. Die Folgen reichen zudem weit über die lokalen Gegebenheiten hinaus und werfen grundlegende Fragen nicht nur für die Kernenergie-Industrie, sondern für die technikorientierte Zivilisation insgesamt auf. Der Name der kleinen ukrainischen Ortschaft Tschornobyl war zuvor kaum jemandem im Ausland geläufig; doch nach dem Unglück wurde er – meistens als "Tschernobyl" nach der Transliteration aus dem Russischen – zum Synonym für die größte Umweltkatastrophe in der Technikgeschichte und steht damit nun ähnlich wie "Stalingrad" und "Bhopal" als weltweit verständliche Metapher für das Leiden Hunderttausender. Im nachhinein ist auch offenkundig, daß die politischen Implikationen den Zusammenbruch der Sowjetunion beschleunigt haben.
Wegen der fundamentalen Bedeutung dieses Desasters für die Menschheit ist es unerläßlich, daß die Weltöffentlichkeit sowohl seine Ursachen als auch seine Folgen versteht.
Die Ereignisse, de


Juri M. Schtscherbak ist Botschafter der Ukraine in den Vereinigten Staaten. Er studierte an der Medizinischen Hochschule in Kyiw und spezialisierte sich nach seinem Abschluß 1958 auf Epidemiologie. Außer zahlreichen Veröffentlichungen auf diesem Fachgebiet und der Virologie hat er 20 Bücher mit Gedichten, Schauspielen und Essays geschrieben. Im Jahre 1988 wurde er Gründungsvorsitzender der heutigen Partei der Grünen in der Ukraine; ein Jahr später wurde er in den Obersten Sowjet der UdSSR gewählt, wo er als einer der Oppositionsführer die erste parlamentarische Untersuchung des Tschornobyl-Unglücks einleitete.
abrufen





Mente et Malleo |
Öko-Logisch? |
Gute Geschäfte |
DIE ELEKTROKREATIVE KRAFT |
Landschaft & Oekologie |
Graue Substanz |
Natur des Glaubens |
Con Text |
MENSCHEN-BILDER |
Polarstern unterwegs |
WIRKLICHKEIT |
Robotergesetze | 





