Der vorliegende kleine Paperback-Band bietet eine Fülle an Informationen über die neuronalen und physiologischen Grundlagen des Vogelgesangs. Harald Fuchs, Biologe aus Kaiserslautern, hat hier die Ergebnisse seiner Diplom- und Doktorarbeit aufbereitet.
Im ersten Kapitel bietet der Autor ein unterhaltsames Potpourri von Systematik, Stammesgeschichte und Anatomie der Vögel, bis hin zur evolutionären Konvergenz von Kondor und Bartgeier oder zu den Uralt-Verhaltensweisen des erstaunlichen Vogels Hoatzin. Was dies alles mit dem Gesang des Kanarienvogels zu tun hat, wird klarer, wo es um die Anatomie und dabei auch um den Stimmapparat und das Hörsystem der Vögel geht.
An dieser Stelle wird bereits einer der Hauptmängel des Buches deutlich: Die meisten der schwarz-weißen Abbildungen sind karge, wenig erhellende Skizzen wie die der Syrinx (des Stimmkopfs) einer Amsel auf S. 20, bis zur Unkenntlichkeit schlecht reproduziert wie ein Gehirnschnitt auf S. 42 oder beides zugleich.
Kanarienvögel kommen wie alle Singvögel nicht als „Meistersänger“ zur Welt. Bei der Entwicklung des Vollgesangs spielt das Lernen von erwachsenen Vorbildern eine wichtige Rolle. Fuchs geht im 2. Kapitel zur „Software“ auf die verschiedenen Phasen der Gesangsontogenese mit Subsong (Vorgesang), plastischem Gesang und Vollgesang ebenso ein wie auf die jahreszeitlichen Änderungen in der Gesangsorganisation und -aktivität und die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Tieren. Außerdem stellt er das wichtigste Hilfsmittel der Bioakustiker vor: das Spektrogramm, die Widergabe der Intensität eines akustischen Signals in Abhängigkeit von Zeit und Frequenz durch unterschiedliche Schwärzungsgrade. Erstaunlicherweise beschreibt Fuchs die inzwischen fast antiquierte elektro-thermische Gewinnung solcher Abbildungen, die heute mehr und mehr mittels der schnellen Fourier-Transformation vom Computer berechnet werden. Im letzten Abschnitt geht er kurz auf die Motivation zum Singen und damit auf die Funktio
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