Viele theoretische Arbeiten auf der Suche nach einer "Weltformel" beschrieben bald auch recht genau, wie ein Monopol auszusehen hat: Das magnetisch monopol wirkende Teilchen bringt bei winzigen Ausmaßen – es ist kleiner als ein Proton – so viel Gewicht wie ein Bakterium auf die Waage.
Szenenwechsel. In einigen Labors arbeiten Physiker mit einem exotischen Material, so genanntem Spin-Eis. Der Name rührt von der Geometrie des Kristallgitters her und der Ähnlichkeit in der Ausrichtung des inneren Drehimpulses der Ionen – Spin genannt – mit der Lage der Wasserstoffatome relativ zum Sauerstoff in gefrorenem Wasser. Bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt haben die Forscher in solchen "Pyrochlor-Gittern" einen unerwarteten Vorgang beobachtet, einen Phasenübergang. Was löst ihn aus?
Da der Spin die magnetischen Eigenschaften eines Stoffes oder Körpers bestimmt, äußerten Claudio Castelnovo von der Oxford University und Kollegen den Verdacht, der Phasenübergang könne den Wechsel zwischen der flüssigen und gasförmigen Phase einer Ansammlung magnetischer Monopole darstellen [1]. Einer Forschergruppe um Jonathan Morris vom Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie ist jetzt mit einem speziellen Versuchsaufbau der Nachweis solcher Monopole gelungen [2].
Dazu bestrahlten die Wissenschaftler eine Probe aus Dysprosiumtitanat (Dy2Ti2O7) mit Neutronen. Die in dem Material enthaltenen Dysprosium-Ionen ordnen sich in einem tetraederförmigen Gitter an und weisen die Eigenschaften eines Spin-Eises auf. Aus der Ablenkung der hindurch geschickten Neutronen, die aus dem Berliner Forschungsreaktor stammten, konnten die Forscher bestimmen, dass sich die Spins der Dysprosium-Ionen zu langen, Spaghetti-förmigen Röhren ausrichten.
Wir beschreiben neue, fundamentale Eigenschaften von Materie
(Jonathan Morris)
Diese "Spin-Spaghetti" durchlaufen im Schnitt etwa 50 Tetraeder und transportieren dabei magnetischen Fluss, wie die Neutronen verraten. "Das Streuexperiment zeigt, dass die Röhren, die sich ganz nach Diracs Überlegungen verhalten, in diesem Material tatsächlich existieren. Dies ist ein Schlüsselfaktor für das Vorhandensein von magnetischen Monopolen", erklärt Morris.
(Jonathan Morris)
Aber es gibt noch einen weiteren Beleg. Morris führt dazu aus: "Die Fähigkeit, Wärme aufzunehmen, folgt genau einer Theorie, die die Wechselwirkung der Monopole an den Enden dieser 'Dirac Strings' als ein Gas aus magnetischen Ladungen – also Monopolen – beschreibt." Zudem legten die Forscher während des Streuexperiments ein äußeres Magnetfeld an. Auch die Reaktion darauf stimmte völlig mit ihren Erwartungen überein: Die Spaghettis begannen sich zu ordnen, genau, wie es Dirac-Strings tun sollten. Wird die Richtung des Magnetfelds geändert, richten sich auch die Strings neu aus.
Die "Spin-Spaghettis" leiten magnetischen Fluss und lenken deshalb hindurch fliegende Neutronen ab. Dabei entsteht ein charakteristisches Muster.


Freier Wissenschaftsjournalist in Mannheim




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