Emotionen
Die Pein der Verlegenheit
Verlegen sein dient unseren Sozialkontakten. Doch häufig verführt uns die Angst vor Peinlichkeit zu einem Verhalten, mit dem wir uns selbst schaden.
An sich belanglose Vorfälle, die wir als peinlich empfinden, begegnen uns im sozialen Alltag allenthalben. Merkwürdigerweise erleben Betroffene solche Situationen oft keineswegs als trivial. Das eigenartige Gefühl der Verlegenheit – nicht zu verwechseln mit Scham – kann unser Verhalten erstaunlich stark beeinflussen. Um diese Emotion zu vermeiden, verhalten sich viele Menschen sogar unklug, bis hin zur Gesundheitsgefährdung.
Wann reagiert man betreten? Zunächst: Die Situationen, in denen Menschen verlegen werden, lassen sich objektiv nicht völlig erfassen. Ein subjektiver Faktor kommt hinzu, was übrigens für alle Gefühle gilt. Emotionspsychologen sprechen von kognitiver Bewertung. Sie meinen damit, dass wir glauben, uns im Leben an bestimmte vorgegebene Regeln halten zu müssen. Die These: Welche Emotionen ein Ereignis auslöst, hängt davon ab, welche Bedeutung wir ihm beimessen.


Christine R. Harris ist außerordentliche Professorin für Psychologie an der Universität von Kalifornien in San Diego.
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1. Fortschritt und Ansporn zu weiterer Erkenntnis
09.05.2007, Prof. Dr. Karsten Löhr, UlmDie sokratische Methode der "Überführung" (Elenktik) von sicherer Gewissheit in eine peinliche Unwissenheit steht zumindest als hervorragendes Ereignis zu Beginn der Wissenschaften. Ihr Urheber Sokrates musste etwa im Jahre 399 v.Chr. diese unangenehme Gesprächstechnik vor Gericht verteidigen. Dies tat er mit dem Verweis auf einen göttlichen Auftrag, die Nichtwissenheit der Menschen in Verlegenheit erkennbar zu machen. Erst durch diese Verlegenheit gelingt es, weiteres Wissen zu erzeugen bzw. zu "gebären" (Mäeutik).
Die Verlegenheit ist damit sowohl ein erster Fortschritt bei der Erkenntnis, als auch der Ansporn zu weiterer Erkenntnis. Wenn man überlegt, wie Wissenschaft entsteht, dann scheint kein Weg an der Verlegenheit des Unwissens vorbeizugehen.
Oder, wie es Meister Kong alias Konfuzius in der gleichen Epoche formulierte: "Wenn du weißt, was du weißt, und du weißt, was du nicht weißt: Das ist Wissen!"