Wenn wir die außergewöhnlichen Fähigkeiten und Leistungen des Homo sapiens betrachten, können wir uns nur schwer dem Eindruck entziehen, dass wir mit einer gewissen Zwangsläufigkeit zu dem wurden, was wir sind. Ist doch das Produkt Mensch, so der verführerische Gedanke, ein solches Wunderwerk, dass es nur am Ende eines langen und zielgerichteten Verbesserungs- und Steigerungsprozesses stehen konnte. Wie hätten wir durch Zufall so werden können? Wenn wir unseren herausgehobenen Status der Evolution verdanken, muss diese doch wohl lange und schwer daran gearbeitet haben, ihr Werk zu verfeinern und zu vervollkommnen.

Und doch ist das nicht die Art, wie Evolution stattfindet. Die natürliche Auslese an sich ist kein kreativer Prozess – ja kann es gar nicht sein. Sie vermag nichts anderes, als neue Merkmale, die durch zufällige genetische Veränderungen entstanden sind, entweder zu begünstigen oder zu eliminieren. Dieser Vorgang (der selbstverständlich durch das vorher Existierende beeinflusst wird) bildet den Hintergrund aller biologischen Innovationen. Die Evolution lässt sich am besten als opportunistisch beschreiben: Sie nutzt oder verwirft bloß Möglichkeiten, wann und wo sie sich bieten; dabei kann ein und dieselbe Option je nach den jeweiligen Umweltbedingungen (im weitesten Sinne betrachtet) zum einen Zeitpunkt vorteilhaft und zu einem anderen nachteilig sein. Es gibt nichts Zielgerichtetes oder Zwangsläufiges im Evolutionsprozess. Und nichts hindert ihn daran, sich einfach umzukehren, wann immer die unstete Umwelt dies begünstigt.

Was lehrt uns nun unser bisheriges Wissen über unsere Vorfahren? Zu den wohl wichtigsten Erkenntnissen gehört die Einsicht in die Bedeutung dessen, was in den letzten Jahren zunehmend als "Exaptation" bezeichnet wurde. Dieser Begriff bezieht sich auf Merkmale, die in einem bestimmten Kontext entstehen, d