Genetik
Zensur in der Zelle
Zu ihrer Überraschung entdeckten Biologen, dass Tier- und Pflanzenzellen unerwünschte Gene zum Schweigen bringen können, indem sie deren RNA-Kopien zerschnipseln. Biotechnologiefirmen sind schon dabei, diesen vielseitigen Regulationsmechanismus für medizinische Zwecke zu nutzen.
David P. Bartel und Nelson C. Lau
Wenn das mit allen Genen gleichzeitig geschähe, bräche das Chaos aus. Deshalb betätigt sich die Zelle als Zensor: Sie verpasst den meisten Genen einen Maulkorb und sorgt dafür, dass nur die jeweils benötigten abgelesen werden. Zu diesem Zweck enthält die DNA Abschnitte mit Regulatorfunktion. Von einem Gen werden nur dann RNA-Abschriften gemacht, wenn sich an eine solche regulatorische DNA-Region in seiner Nähe ein aktivierender Proteinkomplex angelagert hat.
Gefährliche Gene
Doch dieser Schutzmechanismus allein genügt der Zelle noch nicht. Manche untergeschobenen Gene – sei es, dass sie sich schon vor langer Zeit ins Erbgut eingeschlichen haben oder gerade erst von Eindringlingen frisch eingeschleppt wurden – enthalten nämlich die Bauanleitung für so gefährliche Proteine, dass sie nie und nimmer die Möglichkeit erhalten dürfen, aktiv zu werden. Das gilt etwa für mobile genetische Elemente, die im Genom von Ort zu Ort springen, wenn die Zelle sie exprimiert (das darin codierte Protein herstellt). Krebs oder andere Krankheiten können die Folge sein. Ebenso gefährlich sind Viren. Wenn ihre genetische Botschaft nicht abgefangen wird, bemächtigen sie sich der Proteinsynthesemaschinerie der Zelle und zwin


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