Am 26. Juni dieses Jahres traten sie lächelnd vor die Mikrofone und schlossen Frieden: Francis S. Collins vom öffentlich getragenen Human-Genom-Projekt (HGP) und J. Craig Venter von der Firma Celera Genomics beendeten damit ihr Wettrennen um die Entzifferung des menschlichen Genoms. Gemeinsam und in seltener Eintracht verkündeten die Wissenschaftler, jede der beiden Gruppen könne nun eine "Rohsequenz" des menschlichen Erbguts präsentieren.

Der Inhalt aus unserem "Buch des Lebens" entspricht einem Grundtext aus insgesamt etwa drei Milliarden Buchstaben. Gedruckt würden sich daraus mehr als 400000 lückenlos beschriebene Seiten von "Spektrum der Wissenschaft" ergeben. Zugegebenermaßen wäre es keine einfache Lektüre – von Anfang bis Ende nichts als die Buchstaben A, C, G und T, in immer wechselnder Reihenfolge. In der Biologie ist dieser Text inhaltlich allerdings ein einsamer Bestseller, denn die Buchstaben stehen für die vier che-mischen Hauptbausteine, die DNA-Basen, aus denen sich alle unsere Gene zusammensetzen; sie beeinflussen – nicht aber bestimmen – unser ganzes Leben, wie wir gehen, reden, denken, schlafen. "Wir lesen hier unsere eigene Betriebsanleitung", schwärmt Francis Collins: "Kann man sich etwas Verlockenderes vorstellen?"

Collins ist Direktor des Nationalen Human-Genom-Forschungsinstituts in Bethesda (Maryland) und steht an der Spitze des internationalen HGPs; dieses aus öffentlichen Mitteln finanzierte Forschungskonsortium hat sich die ausführliche Kartierung und Identifizierung aller unserer Gene zum Ziel gesetzt und bisher mehr als eine Viertel Million Dollar verschlungen. In vier großen Sequenzier-Zentren in den USA, dem Sanger-Zentrum bei Cambridge in England sowie weiteren Labors in Japan, Frankreich, Deutschland und China haben es über 1100 Wissenschaftler nach mehr als zehnjähriger gemeinsamer Arbeit nun geschafft, eine Karte aller drei Mill