Brandrodung macht Brasilien zum CO2-Giganten
Neun Länder teilen sich dieses Bonanza der Artenvielfalt, an dem Brasilien einen Anteil von weniger als zwei Dritteln hält, aber für vier Fünftel der Abholzung verantwortlich ist. Etwa 15 Prozent des ursprünglichen Regenwaldes gelten mittlerweile als völlig zerstört, weitere Areale sind großflächig auf verschiedene Art geschädigt. Kombiniert macht dies das Ökosystem zunehmend anfällig für die Folgen der Erderwärmung, wie nun Forscher um Yadvinder Malhi von der Universität Oxford mahnen.
Geschichtsträchtig war beispielsweise die intensive Dürre 2005, die viele Zuflüsse des Amazonas wochenlang trockenfallen ließ und zahlreiche Dörfer von der Außenwelt abschnitt. Gleichzeitig war es eine der stärksten Rodungsphasen der letzten Jahre, da die ausgetrocknete Vegetation leicht zu entflammen war. Klimatologen machen dafür die starke Aufheizung des Atlantiks nördlich des Äquators verantwortlich, die im gleichen Jahr zu einer sehr heftigen Hurrikansaison in der Karibik führte. Wegen des zeitweiligen großen Temperaturunterschieds zwischen Nord- und Südatlantik verlagerte sich die Innertropische Konvergenzzone weiter nordwärts als üblich, was Karibik und Zentralamerika mehr Regenfälle brachte. Zugleich verdorrte das südliche Amazonien durch unüblich konstanten Hochdruckeinfluss. Unter wärmeren Klimaszenarien könnten sich derartige Anomalien häufen und die Regel werden, was letztlich Regenwald zu Savanne in Teilen Brasiliens wandeln dürfte.
Opfer und Verstärker zugleich
Wichtiger aber noch ist die Rolle der Vegetation im Wasserkreislauf – wenn nicht im globalen Rahmen, so doch zumindest im kontinentalen: Ein Viertel bis die Hälfte der eingehenden Niederschläge erzeugt der Wald durch Verdunstung gleich wieder selbst, was vor allem im Süden und Osten Amazoniens wichtig ist, die stärker von lokalen Gewitterregen abhängen. Messungen und Satellitendaten zeigten bereits, dass großflächiger Waldverlust dies unterbindet, weshalb die Gesamtniederschläge sinken. Zusätzlich stören Aerosole aus Rodungsfeuern die Wolkenbildung und verringern damit ebenfalls die Regenmenge.
Dauerhafte Trendwende?
Umgekehrt erleichtert zunehmende Trockenheit die Landumwandlung, da die Vegetation anfälliger für Feuer wird. Pro Jahr wächst die unmittelbar an Waldränder grenzende Waldfläche um bis zu 50 000 Quadratkilometer allein in Brasilien: Diese Areale trocknen leichter aus, verlieren Tiere und Pflanzen des Waldinneren sowie lebende Biomasse, die tot hervorragendes Zündmaterial liefert. Abgelegene Urwälder überstanden die Dürre 2005 daher nahezu unbeschadet, während an der Entwaldungsfront Feuer oft völlig außer Kontrolle gerieten und weit größere Flächen einäscherten als ursprünglich geplant.
Kann es angesichts des ökonomischen Drucks eine Rettung Amazoniens überhaupt geben? Malhi und seine Kollegen meinen ja – und stützen sich auf Schutzanstrengungen der letzten Jahre, unter denen in vielen Teilen des brasilianischen Regenwalds riesige Reservate geschaffen wurden. Sie politisch und gesetzlich vor Ort durchzusetzen, ist der Schlüssel zum Erfolg, wie es Peru bereits gezeigt hat: Strikte Handhabung der Gesetze haben die Rodungen entlang von Straßen und in Schutzzonen weit gehend unterbunden. Die Parks gilt es außerdem durch bewaldete Korridore entlang von Flüssen und in besonders klimasensiblen Regionen zu verbinden. Ersteres hebt als Nebeneffekt die Wasserqualität und reduziert das Versanden vorhandener Stauseen. Gänzlich tabu sollte zudem der Nordwesten Amazoniens sein, in dem sich die höchste Artenvielfalt tummelt und den der Klimawandel am wenigsten schädigt.
Eine Herkulesaufgabe
Immerhin, das zeigen neuere Forschungsergebnisse, reagiert der Amazonaswald weniger sensibel als bislang befürchtet auf Klimaextreme: Intakte Bestände treiben während einer Dürre sogar mehr Blätter aus als in normalen Jahren. Sie profitieren von stärkerem Sonnenschein und zapfen gleichzeitig mit ihren Wurzeln tiefer gelegene Wasserreserven an. Höhere CO2-Werte verbessern die Fotosynthese-Leistung und lässt die Pflanzen dabei Wasser sparen – sie arbeiten quasi effektiver. Nur länger als drei Jahre dürfen ausgeprägte Dürrephasen nicht ausdauern.









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