Insgesamt bestätigt 2007 mit einem weltweiten Plus von rund 0,4 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel einen Trend: den zu einer heißeren Erde. Denn zwölf der 13 wärmsten der vergangenen 130 Jahre liegen im Zeitraum zwischen 1994 und 2007, und Schuld daran hat der Energieverbrauch der Menschheit. Nur noch eine sehr kleine Minderheit an Wissenschaftlern widerspricht der These, dass der Klimawandel von den ungeheuren Mengen Kohlendioxid oder Methan verursacht wird, die täglich Kraftwerke, Auspufftöpfe oder brennende Regenwälder in die Atmosphäre pusten.
Indikation und Kontraindikation
Möglicherweise übertrifft die Realität sogar alle Prognosen, wie Wissenschaftler um Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung warnen: Kohlendioxid-Werte, Temperaturen und Meeresspiegel stiegen während der letzten fünf Jahre kräftiger, als zu Beginn des Jahrtausends prognostiziert wurde. Außerdem legte der gesamte CO2-Ausstoß der Menschheit seit Beginn des neuen Jahrtausends dreimal so schnell zu wie im Jahrzehnt zuvor: Während in den 1990er Jahren die Emissionen jährlich durchschnittlich um 1,1 Prozent anstiegen, kletterten sie seit dem Jahr 2000 auf 3,1 Prozent.
Eisschwund
Grönlands Gletscher schmelzen jährlich um hundert Gigatonnen ab, weil sie durch die wärmeren Lufttemperaturen tauen oder schneller ins Meer strömen. Der arktische Frühling zieht deutlich zeitiger ein als früher: Je nach Art und Region blühen Pflanzen oder brüten Vögel zwei bis vier Wochen eher. Zugleich wiesen John Smol von der Queen's-Universität und Marianne Douglas von der Universität von Alberta in Edmonton nach, dass allein in Kanada und Alaska in den letzten Jahren weit über tausend Seen einfach verdampft sind oder wegen tauenden Permafrosts versickerten – Gewässer, die über Tausende von Jahren bestanden.
Eine weitere deutsche Forschungseinrichtung – das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar – wiederum entkräftete Befürchtungen, der Golfstrom könne wegen des ganzen Schmelzwassers im Nordatlantik seine wärmende Kraft für Europa verlieren. Nach Langzeitmessungen schwanken die Wassermengen des Stroms vor der kanadischen Küste innerhalb von Wochen und Monaten stark, doch gebe es keine dramatischen langfristigen Trends, die auf seine Abnahme hinwiesen, melden die beteiligten Forscher. Ins gleiche Horn stießen Stuart Cunningham vom National Oceanography Centre in Southampton und seine Kollegen: Die im Golfstromsystem ausgetauschten Wassermengen zwischen den Tropen und dem Nordatlantik variieren regelmäßig im Jahresverlauf um den Faktor 8. Zuvor gemeldete Abschwächungen der Zirkulation, die warmes Oberflächenwasser nach Norden und kaltes Tiefenwasser nach Süden transportiert, dürften deshalb wohl eher auf die bislang mangelhafte Datenbasis zurückzuführen sein.
Was tun?
Die Ozeane wiederum könnten an der Grenze ihrer Aufnahmekapazität angelangt sein, befürchtet Josep Canadell vom Global Carbon Project im australischen Canberra. Sein Team bilanzierte, dass in den Meeren rund um die Antarktis mehr Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben wird, weil stärkere Stürme die Ozeane weiter südlich als zuvor aufwühlen. Insgesamt sinkt dadurch die CO2-Menge, die auf diese Weise der Atmosphäre entzogen wird. Auch die oft gewünschte Eisendüngung auf hoher See, durch die mehr Algen wachsen sollen, scheint nicht so Erfolg versprechend, wie es sich Forscher wünschen: Zwischen fünfzig und achtzig Prozent des Bestandsabfalls landen nicht in einem Grab am Meeresboden und lagern dort den Kohlenstoff ein, sondern werden bereits vorher wieder dem System aktiv zugeführt, berechnete Ken Buesseler von der Woods Hole Oceanographic Institution.
Jubel und Enttäuschung
Dieser Mut spiegelte sich im Abschlussdokument jedoch nicht wider: Zwar gaben selbst die USA ihren zähen Widerstand auf und traten dem Bali-Konsens letztlich bei. Mit Hilfe Chinas, Indiens, Russlands und Kanadas gelang es ihnen aber, verbindliche Minderungsziele in die Fußnoten des Protokolls zu verbannen – tatsächliche Einsparungen ungewiss. Eine weitere Kluft tat sich zwischen den Industrienationen und einer Reihe großer Schwellenländer auf, die Klimaschutz nicht gleichberechtigt neben ihrem berechtigten Wunsch nach wirtschaftlichem Wachstum etablieren möchten. Stattdessen solle der reiche Norden in Vorleistung treten und dem ärmeren Süden kostengünstig Zugang zu vorhandenen Einspar-Technologien ermöglichen, lautet schließlich ein durch Indien vermittelter Kompromiss. Was Bali bringt, vermögen erst die Zukunft und Folgekonferenzen zeigen.
Einen Erfolg im Hier und Jetzt feierten die Klimaschützer jedoch im Oktober: Für ihr Engagement, die Welt aufzuklären und vor den befürchteten gravierenden Folgen zu bewahren, zeichnete das norwegische Nobelpreis-Kommitee die IPCC und den ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore mit dem Friedensnobelpreis aus. Damit ging zum zweiten Mal nach 2004 die Auszeichnung an ein grünes Thema – damals erhielt sie die Kenianerin Wangari Maathai für ihre Arbeit gegen Entwaldung und Armut.
Geplünderte Natur
Möglicherweise spielen neben den FCKW aber noch andere Moleküle und Prozesse beim Ozonabbau eine Rolle, wie Francis Pope und seine Kollegen vom California Institute of Technology aus Laborexperimenten schlossen. Ihre Analysen ergaben, dass die Fotolyse der Verbindungen in der Laborsimulation rund sechsmal langsamer abläuft als vermutet. Sollten über den Polen Radikale tatsächlich entsprechend verzögert entstehen, so könnten sie für den seit Jahrzehnten beobachteten Ozon-Zerfall nicht allein verantwortlich sein. Vielleicht erklärte es aber gleichfalls die zögerliche Regenerierung des Schutzschirms.
Auf dem Land sieht es nicht besser aus: Selbst in afrikanischen Nationalparks schwindet die Zahl und Dichte von Großsäugern, berichteten Tim Caro von der Universität von Kalifornien in Davis und Paul Scholte von der Universität Leiden. Wilderei und Konkurrenz von Nutzvieh machen beispielsweise den Antilopen zu schaffen. In Europa, den USA oder Australien stören dagegen Hunde, die von ihren Herrchen oder Frauchen in Schutzgebieten Gassi geführt werden – sie vergrämen seltene Vögel. Sechs von acht Bärenarten gelten laut IUCN als in ihrem Fortbestand stark gefährdet. Conservation International listet 25 Primatenspezies auf, für die es fünf vor Zwölf ist.
Hoffen lässt die angebliche Sichtung eines Jangtse-Flussdelfins – auch Baiji genannt –, der nur wenige Monate zuvor als ausgestorben deklariert wurde. Ob eine lebensfähige Population im Jangtse überdauert, bleibt jedoch zweifelhaft. Dafür droht dem Vaquita – einer Kleinwalart aus dem Golf von Kalifornien – innerhalb kürzester Zeit die Ausrottung: Von rund 150 überlebenden Individuen ertrinken jährlich etwa vierzig in Fischernetzen.
Brennende Wälder
Weitere Lebewesen könnten unentdeckt bleiben, weil ihre Heimat zerstört wird – gerade für Regenwälder sieht es fortgesetzt schlecht auch, obwohl die Brandrodung in Brasilien 2007 weiter abnahm. Außerdem scheint der südamerikanische Tropenwaldgürtel einigermaßen resistent gegenüber dem Klimawandel zu sein: Trotz der ungewöhnlich starken sommerlichen Dürre 2005 notierten Wissenschaftler stärkeren Blattaustrieb und erhöhte Fotosyntheseleistung in der Region verglichen mit normalen Jahren. Guyana wiederum bot seiner ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien für großzügigere Entwicklungshilfe seinen kompletten Regenwald an.
Übel sieht es dagegen in Indonesien aus, wo riesige Flächen abgebrannt werden, um Platz für Ölpalmen zu schaffen. Sie sollen wiederum Agrarkraftstoffe für Europa liefern, um damit den Klimawandel zu bekämpfen. Eine Schizophrenie, die zunehmend Ökologen, Menschenrechtler und Naturschützer empört. Auch Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen mahnt, dass Sprit vom Feld keine Lösung sein kann: Aus den intensiv gedüngten Feldern entweiche zum Beispiel sehr viel Lachgas, das die Erwärmung 300-mal so intensiv anschürt wie Kohlendioxid.
Dabei böte eine intakte Umwelt und Artenvielfalt den Menschen so viel Gutes, wie Richard Fuller von der Universität Sheffield zu berichten weiß: Je diverser ein Stadtpark oder -wald ist, desto wohler und zufriedener fühlten sich die Bewohner in der Umgebung – noch dazu da seit dem 23. Mai die Mehrheit der Menschheit in Städten wohnt.
Lusi, Olga und Co
Immerhin blieb die Menschheit bisher 2007 von richtig schweren Naturkatastrophen verschont, wenngleich stärkere Beben Teile Perus, Japans und Indonesiens trafen und mehrere hundert Leben kosteten. Die vergangene Hurrikan-Saison im Atlantik verlief wider Erwarten harmloser, als von Meteorologen prognostiziert. Obwohl der mindernde Einfluss von El Niño im Pazifik im Frühjahr schwand und die Wassertemperaturen im Atlantik wie in der Karibik wieder einmal überdurchschnittlich hoch waren, entwickelten sich insgesamt nur 15 benannte Stürme – wovon nachweislich erstmals zwei mit der Stärke 5 an Land gingen. Mit "Olga" pflügte außerdem noch sehr spät ein Tropensturm durch die karibische Inselwelt. Dennoch verlebte die Region eine relative Ruhe – gerade an der US-amerikanischen Golfküste –, was sie dem nur schwachen Einfluss von La Niña verdankte. Scherwinde konnten deshalb in der Karibik die Hurrikan-Genese unterdrücken. Ähnlich aktiv wie in den Vorjahren verlief wiederum die Taifun-Saison im westlichen Pazifik, wo 24 größere Stürme über die Philippinen, Taiwan, China oder Japan hinweg donnerten.
Für das bloße menschliche Auge kaum ersichtlich, hebt sich der Krater des Yellowstone-Supervulkans wieder: von 2004 bis 2006 schneller als jemals zuvor beobachtet. Es gebe aber keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption, die verheerende Konsequenzen für den gesamten Westen der USA haben würde, beruhigt Robert Smith von der Universität von Utah. Vielmehr handle es sich dabei um einen ganz normalen Prozess, der sich inzwischen auch wieder etwas verlangsamt habe.
Schmutzig sind die Gewitter, die Vulkangipfel bei Ausbrüchen umtoben. Zuerst baut sich laut Ronald Thomas vom New Mexico Tech in Socorro die neu identifizierte so genannte Explosionsphase auf, während der das Auswurfmaterial elektrostatisch stark aufgeladen ist. Sie löst sich in Myriaden unorganisierter Mini- und wenigen großen, einfachen Entladungen auf. Daran schließt sich wenig später ein zweiter Abschnitt mit "konventionellen" Blitzen an, wie sie aus normalen Gewittern bekannt sind. Ähnlich wie in Wolkentürmen, in denen sich Regentropfen elektrifizierend aneinander reiben, interagieren hier Aschepartikel, Lapilli und Eiskörner spannungstreibend.
Alfred Wegeners Erbe wächst
Wo Pangäa stille ruhte, legte der indische Subkontinent in der Unteren Kreide eine rasante Fahrt hin, glaubt man den Erkundungen von Rainer Kind vom GeoForschungszentrum (GFZ) in Potsdam. Mit immerhin bis zu zwanzig Zentimetern pro Jahr transportierten magmatische Konvektionsströme die Indische Platte gen Eurasien – zehnmal so schnell, wie sich heute Nordamerika und Europa voneinander entfernen. Der Grund: Ein magmatischer Plume aus besonders heißem geschmolzenen Gestein zehrte die Hälfte von Indiens kontinentaler Wurzel auf und beschleunigte den Subkontinent damit. Und dass sich überhaupt sichtbare Kontinente bewegen können, führen David Chapman und Derrick Hasterok von der Universität von Utah in Salt Lake City auf radioaktiven Zerfall in der unteren Erdkruste zurück – die erzeugte Hitze verantwortet jeweils die Hälfte der gegenwärtigen Höhenlage jedes einzelnen Punktes auf dem Festland.
Familienzuwachs bei Dinosauriers
In etwas kleineren Dimensionen denken und arbeiten die Dinosaurierfreunde und Paläontologen, die sich während der letzten zwölf Monate beispielsweise über einen fossilen Flugdrachen freuen konnten. Mit Hilfe verlängerter Rippen konnte dieser eine Flughaut zwischen den Vorder- und Hinterbeinen aufspannen, um durch die Luft zu gleiten – ähnliche Reptilien leben heute noch in den Wäldern Südostasiens. In Montana gruben Wissenschaftler um David Varricchio von der Montana State University in Bozeman erstmals Dinosaurierreste aus, die darauf hindeuten, dass manche Urzeit-Echsen zeitweise in selbst angelegten Bauen gelebt und ihre Jungen darin aufgezogen haben. Die Velociraptoren waren weniger Furcht einflössend als im Kino suggeriert, sondern rangierten eher in der Größenordnung heutiger Truthähne, schloss Alan Turner vom Amerikanischen Museum für Naturgeschichte in New York aus Knochenfunden.
Auch die Herkunft der vermeintlichen Dino-Nemesis könnte entschlüsselt sein. Simulationen zufolge entstand der Chicxulub-Meteorit als Überrest eines Zusammenstoßes im Asteroidengürtel vor 160 Millionen Jahren. Eine solche Katastrophe droht uns nach Aussagen der Astronomen in der nächsten Zukunft nicht.
















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