Spätestens seit Herodot kursieren Geschichten über Menschen fressende Völker. Der griechische Gelehrte, der aus allen Ländern Wissenswertes zusammentragen ließ, schrieb solche Berichte vor über 2400 Jahren aber wohl als Erster nieder. Weltreisende, Missionare und Soldaten lieferten noch in den letzten Jahrhunderten immer wieder Horrormeldungen über kannibalische Bräuche bei Völkern in fernen Ländern.

Waren dies nur Ausgeburten sensationslüsterner Fantasten? Oder praktizierten einige Naturvölker tatsächlich Kannibalismus? Dichtung und Wahrheit ließen sich bei der dubiosen Quellenlage nur schwer unterscheiden.

Für noch mehr Aufruhr sorgten im neunzehnten Jahrhundert Spekulationen darüber, dass auch unsere Vorfahren Menschenfresser gewesen sein könnten. Archäologische und anthropologische Funde in Europa und in anderen Erdteilen erregten diesen Verdacht. Seither streiten die Wissenschaftler hierüber. Erst in jüngerer Zeit gelang es mit genaueren Untersuchungen, die Zusammenhänge soweit zu klären, dass viele Forscher nun nicht mehr daran zweifeln: Unter den Neandertalern und bei noch früheren Menschen in Europa muss es Kannibalismus gegeben haben.

Inzwischen gilt auch als so gut wie sicher, dass einige prähistorische Völker noch im vergangenen Jahrtausend kannibalisch waren. Hiervon zeugen charakteristische Spuren auf Tausenden von Knochenfossilien, die an den verschiedensten Orten gefunden wurden – von den pazifischen Inseln bis zu den prähistorischen Pueblos im Südwesten Nordamerikas.

Seit Jahrzehnten bemühen sich Anthropologen, verschiedene entsprechende Verhaltenserscheinungen, allgemein "Anthropophagie" genannt, einzuordnen. Denn unter Kannibalismus könnte man genau genommen sehr verschiedenartiges Verhalten verstehen. Einige Wissenschaftler klassifizieren das Phänomen n