a) Blitzschlag abzuwehren b) Gelbsucht zu heilen c) Jagdglück zu beschwören d) Holz zu bearbeiten
Antwort:
"Donnerkeile" sind jungsteinzeitliche Steinbeile, die noch bis in die Neuzeit als magische Allzweckwaffe angesehen wurden. Auch wenn dies einmal ihre eigentlich Funktion war, kam niemand auf die Idee, mit ihnen Holz zu bearbeiten.
Erklärung:
Ein Geschenk des Himmels erhielt gleich in zweifacher Hinsicht, wer eines Tages auf seinem Acker einen dieser merkwürdigen, keilförmigen Steine entdeckte. Dem verbreiteten Aberglauben früherer Jahrhunderte zufolge hatte der Glückspilz nicht nur einen potenten Glücksbringer und Fruchtbarkeitsspender gewonnen, sein neuer Talisman kam außerdem direkt von oben: Während eines Gewitters, glaubte man, würde die Donnerkeile aus den Wolken herab auf die Erde fallen.
Dabei "dringen die Donnerkeile 7 oder 9 Klafter tief in die Erde ein und steigen dann von Jahr zu Jahr einen Klafter, bis sie wieder ganz an die Oberfläche treten oder nur noch von einer schwachen Erdschicht bedeckt sind, so daß ein Hahn sie ausscharren kann", heißt es in Hans Bächtold-Stäublis Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens von 1929. Gelegentlich sollen die Artefakte auch beim Durchstöbern eines steinzeitlichen "Hünengrabs" entdeckt worden sein.
"Was da in Wirklichkeit zum Vorschein kam, waren Steinäxte oder Beilklingen, die ihre jungsteinzeitlichen Besitzer irgendwann einmal weggeworfen hatten", sagt die Archäologin Britta Ramminger von der Universität Hamburg. Hin und wieder seien allerdings auch Belemniten, also versteinerte Kopffüßer, die in ihrer Form Klingen ähneln, als Donnerkeile benutzt worden.
Steinzeitbeil hin, Kopffüßer her - "die Funde hatten für die Menschen etwas Magisches an sich", so Ramminger: Wer einen vom Feld heimbrachte oder bei einem Händler erstand, hoffte damit Haus und Herd vor Dämonen, Hexen und anderem satanischen Gesindel zu schützen, insbesondere aber Blitzschläge abwehren zu können. Dazu musste er ihn lediglich unter der Schwelle vergraben oder unter dem Dachfirst befestigten. Selbst manche Kirchen scheinen auf die Macht der heidnischen Blitzableiter vertraut zu haben.
Dass noch Ende des 19. Jahrhunderts sogar Apotheken die Steine führten, lag wohl vornehmlich an der Heilkraft, die das Volk ihnen zuschrieb. So sollten sie, als Pulver eingenommen, unter anderem gegen Gelbsucht helfen oder Epilepsie und Krämpfe kurieren, erzählt Ramminger. Auch von feindlichen Gewehrkugeln blieb angeblich verschont, wer sich mit einem Donnerkeil zu schützen wusste.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens verrät. Ähnliches sollte offenbar auch bei jagdbarem Wild funktionieren, weshalb Jäger ihr Jagdglück beschworen, indem sie Donnerkeilsplitter in ihre Bleikugeln eingossen.
Die Verwendung der Steinzeitbeile als magische Alleskönner hat eine lange Tradition in Europa und ist keineswegs nur auf den deutschen Sprachraum beschränkt. Schon Plinius der Ältere (ca. 23-79 n. Chr.) erwähnt in seiner Naturalis Historia ihren Gebrauch bei den Römern. Teilweise lässt sich ihr Einsatz sogar bis in die Eisenzeit zurückverfolgen.
"Für die Archäologie der Jungsteinzeit ist das ein Problem", meint Ramminger. Manche der Steine seien Jahrhunderte später kreuz und quer durch das Land transportiert worden. Wer heute eine solche Klinge in alten Sammlungen finde, müsse also immer bedenken, dass sie möglicherweise eine zweite Karriere als Glücksbringer hinter sich habe. Wo sie ursprünglich herstammte, sei dann nicht mehr zu rekonstruieren.
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