Belle, unsere kleine Nachtaffendame, hockt auf ihrem Spezialstuhl in einer schalldichten Kammer unseres Labors an der Duke-Universität in Durham (North Carolina). Ihre rechte Hand fest auf einem Joystick, den Blick geradeaus auf eine Anzeigetafel unmittelbar vor ihr, wartet sie auf ihren Einsatz. Jedes Mal, wenn ein Lichtsignal rechts oder links aufleuchtet und sie den Joystick dann entsprechend bewegt, bekommt sie aus einem Flüssigkeitsspender einen Tropfen Fruchtsaft ins Maul geträufelt. Belle liebt dieses Spiel, und sie beherrscht es hervorragend.

Auf ihrem Kopf klebt eine verkabelte Kappe mit Kunststoffsteckern an der Innenseite. Verbunden sind sie mit einer rasterartigen Anordnung von Mikroelektroden aus hauchdünnem Draht, feiner noch als ein Haar. Implantiert hatten wir die Multi-Mikroelektroden-Arrays, wie der technische Ausdruck auch lautet, in verschiedene Regionen von Belles motorischer Hirnrinde. Die »angezapften« Bereiche planen Bewegungsabläufe und schicken Befehle an Nervenzellen im Rückenmark, um die Bewegungen ausführen zu lassen. Jedes der insgesamt 96 Drähtchen kam neben einer motorischen Nervenzelle im Gehirn zu liegen.

Sobald ein solches »Motoneuron« aktiv wird, erfasst die benachbarte Mikroelektrode seine elektrische Aktivität und leitet sie nach außen weiter. Von Belles Kappe führt ein dünnes Kabel zu einer Elektronik-Box gleich außerhalb der schalldichten Kabine. Die Box wiederum ist über einen Server mit zwei Computern verbunden: Der eine steht in der gleichen Etage, der andere hingegen Hunderte von Kilometern entfernt.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Flures, in einem überfüllten Raum, steigt die Anspannung bei unserem Forschungs­team sichtlich. Nach Monaten harter Arbeit ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Würde es gelingen, die elektrische Aktivität im Gehirn eines Lebewesens – Belles bloße Gedanken sozusagen – zuverlässig in Steuersignale für einen Roboter zu übersetzen? Was Belle an diesem Nachmitta