Dass sich auch Väter intensiv um die Kindererziehung kümmern, ist eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts, jüngst durch die Einführung der Elternzeit zusätzlich gefördert. In der Vergangenheit fiel diese Aufgabe den Müttern zu. Das entspricht der allgemeinen Rollenverteilung unter den Säugetieren, bei denen es mit der väterlichen Fürsorge generell nicht weit her ist; nur bei rund fünf Prozent der Säugerarten beteiligen sich die Männchen an der Aufzucht der Jungen.

Es geht aber auch anders, wie das Beispiel der Vögel zeigt: Hier sind bei weniger als zehn Prozent der Arten die Weibchen allein für die Betreuung des Nachwuchses zuständig. Bei den Neognathae, zu denen die Mehrheit der Vogelspezies von Hühnern bis Sperlingen zählt, kümmern sich beide Elternteile um die Jungen. Und bei den Paleognathae, mit den Laufvögeln wie dem Strauß als prominenten Vertretern, sind es sogar fast durchweg die Väter allein, welche die Eier ausbrüten.

Bislang war unklar, welches dieser Fürsorgemodelle das ursprüngliche ist. Die Mehrheit der Biologen favorisierte Überlegungen, wie Nancy Tyler Burley von der University of California in Irvine und Kristine Johnson von der University of New Mexico in Albuquerque sie 2002 darlegten. Demnach gab es unter den Vögeln zunächst keine Paarbindung, und die Weibchen sorgten allein für den Nachwuchs. Da die Männchen ihrer Vaterschaft nicht sicher waren…