Der Boden war fruchtbar, das Klima mild und trocken. Vor 5000 Jahren gediehen deshalb im Vorderen Orient schon Ackerbau und Viehzucht. In Dörfern und Städten, Königreichen und Fürstentümern begann dort die Bronzezeit, während europäische Kulturen noch keine Metalle zu verarbeiten wussten.

Der Vordere Orient umfasst auf der heutigen Landkarte ein riesiges Gebiet: das anatolische Hochland der Türkei, weite Landstriche in Iran, Irak und Syrien sowie die als Levante bezeichnete östliche Mittelmeerküste mit Troia als heute wohl bekanntester antiker Siedlung. Unter welchen Bedingungen die Menschen lebten und wie sie ihre Gemeinwesen organisiert haben, versuchen Archäologen anhand von Ruinen und Artefakten zu rekonstruieren. Anthropologen gehen dieselben Fragestellungen aus einem anderen Blickwinkel an: Sie analysieren die Überreste der Menschen selbst.

Gewebe liefern eine Vielzahl von Informationen, denn ein Organismus reagiert auf die Bedingungen, die er in seiner Umgebung vorfindet, und das hinterlässt Spuren. In fünf Jahrtausenden haben Mikroben und die Bodenchemie freilich die meisten Gewebe zersetzt, allenfalls finden die Archäologen noch Knochen und Zähne. Welcher körperlichen Tätigkeit ein Verstorbener einstmals nachging, lässt sich aber anhand der Abnutzung in den großen Gelenken und an der Wirbelsäule ablesen. Infektionskrankheiten wie Knochentuberkulose oder Syphilis hinter­ließen ihre Spuren, ebenso eine Mangel­ernährung. Zum Beispiel ist Eisen Bestandteil der roten Blutkörperchen, bei unzureichender Eisenzufuhr werden zunächst weniger davon gebildet, und der Körper erhält nicht genügend Sauerstoff. In der Folge wird das Blut bildende Ge­webe stärker zur Produktion angeregt, vor allem in bestimmten Regionen des roten Knochenmarks. Dabei wird Knochensubstanz umgebaut, deshalb wirkt das Dach der Augen