Paläodemografie
Volkszählung für die Bronzezeit
Wie viele Menschen in den frühen Dörfern des Vorderen Orients gelebt haben und mit welchen Widrigkeiten sie zu kämpfen hatten, versuchen Anthropologen aus Skelettresten abzulesen.
Ursula Wittwer-Backofen
Der Vordere Orient umfasst auf der heutigen Landkarte ein riesiges Gebiet: das anatolische Hochland der Türkei, weite Landstriche in Iran, Irak und Syrien sowie die als Levante bezeichnete östliche Mittelmeerküste mit Troia als heute wohl bekanntester antiker Siedlung. Unter welchen Bedingungen die Menschen lebten und wie sie ihre Gemeinwesen organisiert haben, versuchen Archäologen anhand von Ruinen und Artefakten zu rekonstruieren. Anthropologen gehen dieselben Fragestellungen aus einem anderen Blickwinkel an: Sie analysieren die Überreste der Menschen selbst.
Gewebe liefern eine Vielzahl von Informationen, denn ein Organismus reagiert auf die Bedingungen, die er in seiner Umgebung vorfindet, und das hinterlässt Spuren. In fünf Jahrtausenden haben Mikroben und die Bodenchemie freilich die meisten Gewebe zersetzt, allenfalls finden die Archäologen noch Knochen und Zähne. Welcher körperlichen Tätigkeit ein Verstorbener einstmals nachging, lässt sich aber anhand der Abnutzung in den großen Gelenken und an der Wirbelsäule ablesen. Infektionskrankheiten wie Knochentuberkulose oder Syphilis hinterließen ihre Spuren, ebenso eine Mangelernährung. Zum Beispiel ist Eisen Bestandteil der roten Blutkörperchen, bei unzureichender Eisenzufuhr werden zunächst weniger davon gebildet, und der Körper erhält nicht genügend Sauerstoff. In der Folge wird das Blut bildende Gewebe stärker zur Produktion angeregt, vor allem in bestimmten Regionen des roten Knochenmarks. Dabei wird Knochensubstanz umgebaut, deshalb wirkt das Dach der Augen


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