Deutlich sichtbar wird das im Freibad: Braungebrannte, athletische Jungs beeindrucken die Mädels, indem sie sich vom Sprungbrett in einen Parabelflug katapultieren, der ihnen nicht nur Zeit für allerlei Kunststückchen lässt, sondern bei Bedarf auch beachtliche Distanzen überbrückt. Kleine Kinder sieht man hingegen immer wieder, wie sie voller Vorfreude auf den großen Satz bis ans Ende des Sprungbrettes vorlaufen, sich mit voller Kraft abstoßen und unversehens nur zwanzig Zentimeter weiter wild mit den Armen rudernd auf die Wasseroberfläche klatschen. Die Energie des Absprungs ist irgendwie ins Brett gegangen, das jetzt lustig vor sich hin vibriert.
Für Orang-Utangs ist das in der Regel nichts. Sie sind so schwer, dass die dünnen äußeren Äste, von denen aus ein Sprung zum nächsten Baum in Frage käme, ihr Gewicht oft gar nicht halten könnten. Aber laut Susannah Thorpe von der Universität Birmingham und ihren Kollegen haben die trägen Menschenaffen andere Methoden gefunden, sich Spannungsenergie zu Nutze zu machen. So berichten sie beispielsweise von einem jungen Orang-Utan-Männchen, das – an einer elastischen Liane hängend – einen tiefer gelegenen Ast ergriff und sich daran nach unten zog, um dann von der zurückschnellenden Kletterpflanze auf eine höhere Geästebene geschleudert zu werden.
An einer Futterplattform für ausgewilderte Orang-Utans im Gunung-Leuser-Nationalpark in Sumatra filmten sie drei Affen – darunter auch ein wildes Männchen – beim Baumschaukeln. Die Menschenaffen nutzten einen jungen Baum, um sich zu einer Liane in der Nähe der Plattform zu befördern. Die aus den Videos abschätzbaren Informationen wie Gewicht des Affen und seine Höhe über Grund nutzten die Wissenschaftler, um die investierte Energie für die Überquerung des Zwischenraums abzuschätzen. Ebenso überschlugen sie die Arbeit für einen Sprung von Baum zu Liane und für das Absteigen, Hinüberlaufen und wieder Hinaufklettern und kamen zu dem Ergebnis, dass die pendelnden Affen echte Energiesparer sind.
Zwei- bis dreimal so viel Kalorien verbraucht ein springender Orang-Utan im Vergleich zu einem gleich schweren schaukelnden Artgenossen. Der Umweg über den Boden verbraucht sogar leicht das Zehn- bis Zwanzigfache an Energie. Damit bestätigen Thorpe und ihre Mitarbeiter die Annahme, dass das geschickte Ausnutzen von Federwirkungen eine erhebliche "Kosteneinsparung" in der Energiebilanz baumbewohnender Spezies bedeuten kann. Ob wie Tarzan von Liane zu Liane zu schwingen vielleicht noch effizienter ist, ließen die Forscher offen.






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