Rezension
Einstein, die Geschichte und andere Leidenschaften. Der Kampf gegen die Wissenschaft am Ende des 20. Jahrhunderts.
Aus dem Amerikanischen von Rainer Sengerling. Vieweg, Braunschweig 1998. 295 Seiten, DM 54,–.
Dr. Michael Springer
Zahlreiche Fragen drängen sich auf. Soll man überhaupt an einen Satz „glauben“? Und warum gerade an diesen? Hat Galilei sein Wissen Macht verschafft? Macht Wissen nicht oft unsicher? Ist man nicht oft ohne Wissen glücklicher? Sollte man dem Streben nach Wissen fragwürdige Belohnungen wie Macht, Sicherheit, Glück in Aussicht stellen? Braucht die menschliche Neugier wirklich solche Krücken?
Ein empörter Klageton, als wäre die scientific community das Fähnlein der sieben Aufrechten, eine bedrohte Spezies oder eine verfolgte Minderheit, durchzieht das ganze Buch des Professors für Physik sowie für Geschichte der Naturwissenschaften an der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts). Nun stimmt zwar, daß die Öffentlichkeit nicht – strenggenommen sogar nie – genug von Naturwissenschaft versteht und darum eine bedauerliche Neigung zu vorschnellen Schlüssen, Schuldzuweisungen und allgemeinem Aberglauben zeigt; aber richtig ist auch, daß die Wissenschaft höchste gesellschaftliche Autorität genießt, weshalb ja sogar der Aberglaube immer verzweifelter bemüht ist, sich „wissenschaftlich“ zu beweisen.
Holtons Alarmruf muß darum europäischen Ohren leicht übertrieben klingen. Doch in den angelsächsischen Ländern gibt es immerhin – ganz abgesehen von den in den USA mächtigen kreationistischen Sekten, die gegen Darwin die Bibel ins Treffen führen – seit einigen Jahren die sogenannten science wars. Die Protagonisten dieses „Wissenschaftskriegs“ sind Geistes- versus Naturwissenschaftler, die einander wechselweise Borniertheit, Unwissen und unfaire Me


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