"Was ist der Mensch?"
Bildzoom "Was ist der Mensch?"
Repräsentativen Umfragen zufolge glauben 94 Prozent der Collegeprofessoren in den USA, dass sie ihre Arbeit besser machen als ihre Kollegen. Jeder vierte amerikanische Student ist davon überzeugt, zum leistungsstärksten Prozent der Kommilitonen zu gehören. Knapp zwei Drittel der Amerikaner zählen sich zur klügeren Hälfte der Bevölkerung. 77 Prozent der schwedischen Studenten geben an, sie würden überdurchschnittlich sicher fahren, und drei von vier Schachspielern halten ihre offizielle Spielstärke laut Rangliste für unterbewertet.
Zahlreiche psychologische Studien be­legen: Wir tendieren dazu, uns selbst in einem allzu ­rosigen Licht zu sehen. Selbsttäuschung ist ein verbreitetes Phänomen (siehe G&G 7-8/2010, S. 44). Problematisch wird der verzerrte Blick, wenn die Abweichung von der Wirklichkeit so groß wird und er negative oder gar zerstörerische Konsequenzen hat. Glaubt jemand, dass er als 50-Jähriger einen Marathon laufen kann, aber völlig untrainiert an den Start geht, riskiert er auf Grund dieser Selbsttäuschung einen körperlichen Zusammenbruch.
Auch Philosophen streiten über Sinn und Zweck der Selbsttäuschung – etwa anhand von Gedankenspielen wie dem vom betrogenen Ehemann …