Schmelztiegel von Ost und West
Das multikulturelle Erbe George Towns manifestiert sich in seiner Architektur, in der chinesische Klanhäuser neben kolonialen Prachtbauten europäischer Provenienz stehen. Indische Tempel reihen sich an typische Shophäuser, in denen unten Händler und Handwerker ihrem Gewerbe nachgehen, während oben die Familie wohnt. George Towns ältestes islamisches Gotteshaus – die Kapitan-Kling-Moschee – existiert in friedlicher Eintracht mit chinesischen Tempeln, und in den Gassen hinter der anglikanischen und katholischen Kirche gehen seit der Gründung der Stadt 1786 Damen des horizontalen Gewerbes ihrem Beruf nach.
Droht die Abrissbirne?
Die große Frage lautet: Wie kann das historische George Town samt seinem sozialen Gefüge erhalten werden, ohne gleichzeitig der Zukunft im Weg zu stehen? Ein Patentrezept dafür hat Shaw jedoch ebenso wenig wie die vielen anderen Historiker, Konservierungsexperten, Anthropologen und Denkmalschützer, die sich mit der Stadt beschäftigen. Die engagierten Männer und Frauen des PHT, die seit Jahrzehnten gegen massive Widerstände für den Erhalt ihrer Altstadt kämpfen, wissen, was sie nicht wollen: keine sozialen Aufwertungsprozesse durch wohlhabende Ärzte, Anwälte, Banker, Kreative, Gastronomen und Entwickler, die sich ein teures Shophaus leisten, um daraus die George-Town-Version einer New Yorker Loft oder ein Edelrestaurant zu kreieren. Und sie wollen erst Recht keine "Disneyfizierung" ihrer Stadt, wie sie andere historische Ensemble bereits heimgesucht hat. Sie wissen aber auch, dass es ohne privates Geld und damit einer gewissen Gentrifzierung – so der Fachbegriff für die Aufwertungsbestrebungen – nicht geht.
Die Wiederentdeckung Asiens
Teresa Capol hatte wiederum eine zündende Idee, wie die Arbeit des PHT finanziert werden könnte. Die gelernte Fremdenführerin und aus Kuala Lumpur stammende Tochter indischer Einwanderer und Gattin eines Schweizers rief die "Heritage Walking Tours" ins Leben, geführte Stadtspaziergänge durch George Town. "Das hat unter Touristen, aber auch unter den Einheimischen das Bewusstsein für unser Kulturerbe geweckt", sagt Capol und fügt hinzu: "Ich habe auch Regierungsleute eingeladen, an einer meiner Touren teilzunehmen, um vor Ort zu erleben, was wir haben. Keiner ist gekommen."
Für Battistotti lautet daher die entscheidende Frage: "Wie können wir die Stadt verbessern und entwickeln, ohne ein zweites Singapur zu werden?" Eine anspruchsvolle Aufgabe.


Der Autor arbeitet als freier Journalist in Singapur.








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